Montag, 2. Dezember 2024

30. November 2024 Marlo - Mallacoota

Auf diesem Campingplatz ist alles abgesichert: Für die Einfahrt bekommt man eine Chipkarte - was noch Sinn macht, weil das Gelände ja geteilt ist. Frauen- und Männerwaschräume haben je eigene PINs, was sich uns fernab vom Strand und damit eventuellen Fremdnutzern nicht recht erschließt. Ebenso hat die Laundry einen eigenen Code. Nur die platzeigene Dump-Station kann man so nutzen.
Es regnet heute Morgen, wir starten recht spät und planen den Tag um: Statt zum Strand wollen wir im Landesinneren einen Trail im Regenwald gehen.
Also fahren wir die Conran Scenic Route an der Küste gemütlich durch und lassen die Abzweige zu den diversen Stränden unterwegs rechts liegen.
Das Cap an den Salmon Rocks am Cape Conran ist uns einen kurzen Abstecher wert, jedoch lassen die Bedingungen nur erahnen, wie schön es hier bei Strandwetter wäre.
Nach einigen Kilometern landeinwärts kommen wir wieder auf den Princess Highway, der zwar weiterhin seinen Charakter als einzige überregionale Straße beibehält, sich jedoch in engen Kurven der Topographie des hügeligen Berglands anpassen muss und dem Reisenden viele Kurven bietet.
Der Mackenzie River Trail startet praktischerweise auf einem Rastplatz des Highways. Wir sind anscheinend die einzigen Begeher, denn außer uns parkt niemand auf dem Parkplatz. Der Regen hat ein wenig nachgelassen, es ist aber ziemlich schwül als wir losgehen.
Zunächst wandern wir ein Stück eine Forststraße entlang, dann zweigt der etwa einen Kilometer lange Loop Trail ab in den Regenwald. 
Der Weg verläuft als schmaler, aber gut ausgebauter Pfad durch das aus üppigen Farnen und dicht belaubten Sträuchern bestehende Unterholz, welches kaum Einblicke in die nähere Umgebung zulässt; überragt wird das Ganze von mächtigen Bäumen. 
Das ist sehr beeindruckend, aber durchaus auch ein wenig unheimlich, wobei die schwülwarme Luft und die fremdartigen Geräusche der Vögel ihren Teil zu dieser eigentümlichen Stimmung beigetragen. Bei jedem Wassertropfen, der einem in den Nacken fällt, hofft man, dass es tatsächlich nur ein Tropfen ist. Wir sehen gleichwohl kein einziges Tier, kein Insekt, keinen Vogel, keine Spinne, nicht einmal ein Spinnennetz. Sogar die Mücken, mit denen wir gerechnet hatten, lassen uns in Ruhe.
Absolute Höhepunkte sind zwei mit Holzbohlen belegte Hängebrücken, mit denen der schmal dunkel-schwammige Bemm-River überquert wird. Da möchte man nicht reinfallen.
Teilweise haben die Farne Stämme ausgebildet und überragen uns wie Palmen, unter deren Blätter wir uns an manchen Stellen hindurchducken müssen.
Einige Tafeln geben Erläuterungen, jedoch ist die Erkundung dieses Waldes auch ohne sie ein beeindruckendes Erlebnis.
Wir fahren nach dem Walk weiter Richtung Osten. Eine Dreiviertelstunde später teilt sich in Cann River die Straße. Der Princess Highway folgt geradeaus weiter dem Verlauf der Küste, links geht es ab zur Hauptstadt Canberra. Rund um den Kreisverkehr dieses Abzweigs haben sich einige Gebäude angesiedel. Es gibt zwei Tankstellen, Hotels und Motels sowie einige Verpflegungsmöglichkeiten. Wir kehren in der Cann River Bakery zu Kuchen, Muffins und für australische Verhältnisse erstaunlich trinkbaren Kaffee ein.
Nach dem Kreisverkehr steht erstmals Sydney angeschrieben, noch in gehörigen Entfernung. Der vorher schon dünne Verkehr scheint komplett in Richtung Canberra abgebogen zu sein, denn nun sind wir auf dem Princess Highway allein unterwegs. Jede unserer Lonely Routes in den USA hatte mehr Verkehr. Völlig einsam rollen wir durch endlose verregnete Eukalyptuswälder.
In dem nicht als Siedlung erkennbaren Flecken Genoa biegen wir auf eine Stichstraße nach Mallacoota und damit wieder zur Küste ab. Die grüne Landschaft könnte so wie sie ist auch irgendwo in England oder Irland sein, einschließlich des Wetters. Wenn da nicht diese erstaunlich schöne und andere Tierwelt wäre. Zunächst überquert ein absolut unerschrockener, um nicht zu sagen lebensmüder Wombat vor uns seelenruhig die Straße. Mit diesem knuffigen Beuteltier von der Größe eines Dachses haben wir ein weiteres typisch australisches Tier gesehen.
Ein paar Minuten später steht ein Trupp Kängurus auf einer Wiese. Sie reagieren trotz 200 Meter Distanz und Deckung durch einige Bäume sehr misstrauisch auf unser Anhalten, beäugen uns intensiv und springen - im wahrsten Sinne des Wortes - sofort ab, als sie meiner Gewahr werden, mich vorsichtig mit Teleobjektiv bewaffnet nähernd. Wieder erinnert mich das Verhalten der Kängurus stark an unsere Rehe, auch wenn diese im Sommer keine Gruppen bilden.
Weitere Kängurus sehen wir am Ortsanfang von Mallacoota, direkt im Umfeld von Häusern.
Wir haben eine unmittelbar an der Bucht gelegene Site im MALLACOOTA FORESHORE HOLIDAY PARK gebucht. Dies ist ein wahrhaft riesiger Campground mit 710 Stellplätzen verteilt auf sechs Bereiche. Was hier wohl in der Hochsaison um Weihnachten und Neujahr los ist wenn vielleicht zweieinhalbtausend Personen Ferien machen? Heute ist der Platz allenfalls zu einem Fünftel belegt.
Hier am Meer hat der Wind stark aufgefrischt und bläst leicht böig gegen die sich am Wasser stehenden Camper und Wohnwagen. 
Zunächst ist wieder eine Wäsche zu erledigen. Das Tauschen der hierfür benötigten Münzen ist denkbar einfach: An der Rezeption werden Tütchen mit abgepackten 20 Ein-Dollar-Münzen im Tausch für Scheine vorgehalten.
Für das Abendessen wollen wir uns nicht wieder in den Camper quetschen. Statt dessen gehen wir in einer Regenpause die Straße hinauf zu LEE’S PIZZA, ein Takeaway-Lokal, das im neonbeleuchteten Gastraum auch einige Sitzplätze bietet.
Die Pizza ist lecker, wir haben ausreichend Platz zum Essen, das WLAN ist um Welten besser als das schmalbrüstig- unzuverlässige auf dem Campingplatz, Popmusik der 90er wird etwas lauter aufgedreht, und die Bedienungen sind einem kleinen Schwatz nicht abgeneigt. Alles bestens also.
Zurück im Camper bereiten wir uns gerade auf die Nacht vor, als Sturm und Regen von jetzt auf gleich aufhören, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Es ist plötzlich eine herrliche stille Nacht. Irgendwie gespenstisch.

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