Montag, 2. Dezember 2024

29. November 2024 Eagle Point - Marlo

Heute steht ein absolutes Highlight unseres Urlaubs auf dem Programm: Der Koala Trail auf Raymond Island. Dafür fahren wir ein paar Kilometer bis nach Paynesville und stellen dort den Camper am Hafen ab. Zu der kleinen in den Lake King hineinragenden Insel setzen wir mit einer Fähre über.
Nach der fünfminütigen Fahrt beginnt direkt am Anleger der Trail und führt zum Start ein Stück am Seeufer entlang. Zunächst fallen vor allem wieder die Fliegen auf, die uns umschwirren.
Als der Trail dann aber vom Wasser ab- und in eine kleine von Ferienhäusern flankierte Straße einbiegt, lassen uns die lästigen Insekten in Ruhe und unsere Blicke wandern nach oben in die Eukalyptusbäume. Und tatsächlich sind bald die ersten Koalas zu sehen, die an die Äste geklammert vor sich hindösen. Bis zu 22 Stunden täglich verbringen sie schlafend, um ihre einzige Nahrung, die nährstoffarmen Eukalyptusblätter, zu verdauen. Absolut entspannte Tiere also. Jeder Koala hat seinen eigenen Baum, auf dem er lebt und den er gegen begehrliche Artgenossen verteidigt - man kann sich gar nicht vorstellen, dass diese possierlichen Fellbündel jedwede Form von Abwehr- oder Kampfverhalten zeigen können - und der nur zur Fortpflanzung verlassen wird oder wenn er seinen Besitzer nicht mehr ernähren kann.
Wir schlendern in aller Ruhe den Trail entlang über kaum befahrene Straßen und durch einen kleinen Wald und sehen immer neue Koalas. Auch Kängurus gibt es hier, bleiben für uns aber unsichtbar. 
Einige wenige Leute sind mit uns unterwegs, jeder spaziert in Ruhe nach oben schauend; die grenzenlose Ruhe der Koalas überträgt sich vollständig auf ihre Beobachter.
Das große Finale der Wanderung bilden Mutter und Kind, die auf einem unscheinbaren Baum an einer Straßenecke leben. Wir beobachten sie bei Zärtlichkeiten und Fellpflege, einfach nur schön.
Grenzenlos begeistert gehen wir zurück auf die Fähre. Diese paradiesische Insel ist ein wahres Kleinod Australiens.
In der Kleinstadt Bairnsdale, Zentrum der Region, habe ich eine besondere Mission: Ich besuche den örtlichen Waffenladen, "Bairnsdale Firearms", um Jagdausrüstung zu kaufen. 
Die wie die Kaninchen ursprünglich aus Europa eingeschleppten Füchse gelten in Australien als ähnliche Landplage, der die heimischen Tierwelt - keine Raubtiere gewöhnt- nichts entgegenzusetzen hat. Daher gilt der Fuchsjagd die besondere Passion, Hartnäckigkeit und Erfindungsreichtum der australischen Jäger, was unter anderem effektive Fuchslocker-Flöten hervorgebracht hat. Diese "ziehen" natürlich auch bei europäischen Füchsen, gibt es aber bei uns nicht zu kaufen. Ich betrete nun mit leichtem Respekt diesen Waffenladen und gelange in einen hellen großzügigen Verkaufsraum. Wie in Amerika stehen die Gewehre in langen Reihen hinter der Ladentheke, dazu wird umfangreiche Schieß- und Jagdausrüstung angeboten. Ich trage einer jungen Verkäuferin meine Begehr vor und sie weiß sofort was gemeint ist. Schließlich frage ich noch, ob es ok sei, wenn ich von dem beeindruckenden Geschäft ein Foto machen darf."No one ever asked before", meint sie lächelnd, "but I think it's ok."
Weiter geht unsere Fahrt. Endpunkt der ausgedehnten Seenplatte der Gippsland Lakes ist der Küstenort Lakes Entrance. Auf dem Weg dorthin biegen wir kurz ab in die Stichstraße zum als sehenwert beschriebenen Küstenort Metung. Dieser liegt zwar attraktiv auf einer in einen der Seen ragenden Landzunge, wir finden jedoch nichts, was zum längeren Verweilen motivieren könnte und fahren weiter.
Kurz vor Lakes Entrance windet sich die Straße die Küstenklippen hinab. Hier bietet Jemmy's Lookout ein tolles Panorama über Seen und Meer, von dem wir trotz des über der Küste liegenden Nebelschleiers einen Eindruck bekommen. 
Lakes Entrance selbst ist ein eher geschmackloser Ferienort, der für uns einen WOOLWORTH'S- Supermarkt und eine Bäckerei zum Einkaufen bietet. 
Weiter auf dem Princess Highway kommt kurz vor Orbost zum ersten Mal die Sonne hervor. Der Küstenort Marlo liegt dagegen wieder im Nebel.
Der "Marlo Ocean Views Caravan & Camping Park" ist vergleichsweise riesig und erstreckt sich über zwei getrennte Areale. Der für Camper vorgesehene Bereich ist großzügig angelegt. Hohe Bäume und weite Wiesenflächen geben dem Gelände eine parkähnliche Atmosphäre. Der Platz ist nur mäßig belegt, wir dürfen uns zwischen drei benachbarten Sites entscheiden.
Oskar und ich gehen nach dem Anschließen des Campers noch ein wenig Strand hinunter. Der Snowy River mündet hier ins Meer und hat zum Ozean eine schützende Dünenlandschaft ausgebildet. Der schmale Strand am Wasser dahinter liegenden Inlet ist dadurch vor der Brandung geschützt. Wir werfen Stöcke ins Wasser und laufen ein Stück den Strand auf und ab. Es ist trotz des Windes und des Dunstes nicht kalt, wie ein Spätherbst mit angenehmen Temperaturen.
Danach erkunden wir zwei noch den ausgedehnten Campground; das "Ocean View" im Namen des Platzes ist eine freundliche Übertreibung, das Meer ist von hier aus nirgends sehen. Umso schöner, dass wir unten am Strand waren.

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