Donnerstag, 26. Dezember 2024

21.12.2024 Brisbane – Singapur – München – Weilheim

Ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht. Aufregung oder das sehr weiche Bett? Keine Ahnung. Aber so kann ich unsere letzte Morgendämmerung in Australien miterleben.
In Brisbane wird es schon vor 4 Uhr hell, und als wir um 6 Uhr vor dem Hotel auf unseren UBER-Fahrer warten, ist es schon warm und der Tag in vollem Gange: Obwohl es Sonntag ist, sind die Radsportler unterwegs, alleine oder in Gruppen und viele Jogger laufen am Flussufer entlang. Wenn der Tag früh beginnt und das Tageslicht früh endet, stellt man sich darauf ein.
Zwanzig Minuten und eine Fahrt durch den Airport Link Tunnel, mit 6,7 Kilometer Länge der zweitlängste Straßentunnel Australiens, später sind wir am internationalen Terminal des Flughafens. Hier ist viel los, am frühen Morgen gehen viele Interkontinentalflüge raus, von Tokio über Seoul bis Vancouver ist alles dabei. 
Die Kofferabgabe gestaltet sich schwierig und zeitaufwendiger als gedacht. Der Platz vor den Druckern für die Gepäckaufkleber und den Gepäckaufgabeautomaten ist viel zu eng, hier stehen sich alle im Weg. Und als dann die Aufgabe nicht klappt, weil sich das System an allen Automaten eine Auszeit nimmt, ist das Chaos perfekt. Zwar sind alle Mitarbeiter minutenlang bemüht, einem zu helfen, aber es geht erst weiter, als die Chefin ihre High Priviledged-Rechte nutzt, um das System neu anzustoßen. Uns ist die Gepäckaufgabe am Schalter jedenfalls deutlich lieber.
Nach Ausreise- und Sicherheitskontrolle holen wir in der Halle an den Gates unser Frühstück nach; hier gibt es auch so guten Kaffee wie nur an wenigen Orten in Australien. Draußen parkt derweil schon unser Flugzeug: Wieder ein Airbus A350, diesmal jedoch eine Version ohne Premium Economy, so dass wir bis Singapur Tickets in der normalen Eco haben.
Das Boarding ist pünktlich, als Familie kommen wir wieder mit als Erste an Bord, dann rollen wir zur Startbahn. 
Die Abflugroute führt uns auf das Meer hinaus. Über der Moreton Bay, die zwischen Brisbane und North Stradbroke Island liegt, drehen wir im Steigflug eine 270 Grad-Kurve. So können wir noch einmal hinüberschauen auf „unsere“ Insel. Wie schön war es dort, wie werden wir die Strände und das Wasser vermissen.
Nach der Kurve sind wir wieder über dem Festland und gleiten über die nördlichen Vororte von Brisbane hinweg: Endlose Einfamilienhäuser-Suburbia, dazwischen die so typischen grünen Flecken der Cricket-Felder und Golfplätze. 
Eine Stunde später ist vom Grün nichts mehr zu sehen, die Wüste liegt unter uns, endlos graubraun und trocken. 
Da es draußen langweilig wird und bald auch Wolken die Sicht verdecken, trifft es sich gut, dass nun Mittagessen serviert wird. Und das kann sich bei Singapore Airlines auch in der Economy sehen lassen: Es ist reichhaltig einschließlich Eis zum Nachtisch, lecker, optisch ansprechend auf einem Tablett angerichtet. Und meilenweit entfernt von der „Chicken oder Pasta?“-Mahlzeit bei der Lufthansa, bei der man glücklich sein kann, wenn sie bereits vollständig aufgetaut und noch nicht zu Stein gebacken ist.
Wir queren den Kontinent diagonal und teils etwas rumpelig. Am an der Nordwestecke Australiens gelegenen Bonaparte Gulf - benannt nach Joseph Bonaparte, dem ältesten Bruder Napoleons – erreichen wir die Timorsee. Über Lombok und an Bali vorbei geht es über Indonesien hinweg und eine halbe Stunde vor der Landung wieder über den Äquator.
Im Landeanflug sehen wir viel deutlicher als beim Hinflug die Unmengen an Schiffen, die in der Singapore Strait auf Reede ankern. Kein Wunder, ist Singapur doch nach Tonnage, Güterumschlag und Umladung - insbesondere von Erdöl - der größte Hafen der Welt, und selbst das Angebot von 1.000 Liegeplätzen reicht dem Andrang nicht aus. 
Wir setzen wieder auf der Nordbahn auf und rollen zum Terminal 3. Hier bin ich einen Moment verwirrt, sieht doch alles total gleich aus wie der Bereich, bei dem wir vor dem Flug nach Melbourne warteten, einschließlich der Station für die Flughafenbahn, jedoch ohne die blauen Couchen, auf denen wir gesessen haben. Die Irritation ist schnell aufgeklärt: Diese Terminal-Sektion ist absolut baugleich zu der anderen, nur in einem anderen Flügel gelegen. 
Wir hatten eigentlich vor, die achteinhalb Stunden Aufenthalt für einen kurzen Ausflug in die Stadt zu nutzen, wie 2018 in Taipeh. Jedoch entscheiden wir uns nach kurzer Beratschlagung dagegen: Wir sind müde, mit Kind ist so ein Unternehmen deutlich schwieriger, und das Handgepäck durch Oskars Rollkoffer sehr hinderlich.
Statt dessen reisen wir zwar nach Singapur ein, besuchen jedoch nur das im Flughafenbereich gelegene Einkaufszentrum THE JEWEL mit seinem Wasserfall, den wir vor vier Wochen nur durch die Scheiben der Flughafenbahn gesehen hatten. Die Immigration verläuft vollautomatisch mit vorheriger Anmeldung via App und Scannen des Reisepasses an Automaten bei der tatsächlichen Einreise.
Der Wasserfall ist beeindruckend, wenn man vor ihm steht. Jedoch ist das subtropische Klima der Halle für uns unerträglich, so dass wir uns schnell wieder in den klimatisierten Bereich zurückziehen und bei einem französisch inspirierten Café zu Croissants und Kaffee Platz nehmen. In den langen Gängen und Concourses kurvt Oskar auf seinem Rollkoffer sitzend geschickt zwischen den vielen Menschen umher. Nach einiger Zeit hat er eine atemberaubende Perfektion erreicht und die Abstände zu den Hindernissen und Beinen werden immer enger.
Nach der Wiederausreise in den Abflugbereich sind immer noch einige Stunden bis Mitternacht totzuschlagen, was sich je länger es dauert als immer zäher erweist und der Müdigkeitspegel steigt. Oskar hält lange tapfer durch, schläft eine Stunde vor Boarding dann erschöpft auf einem kleinen Sofa im Wartebereich ein. Irgendwann ist endlich Boarding-Time und wir sind erlöst.
Am gleichen Gate wie beim Melbourne-Flug besteigen wir den A350 für den letzten Flug, nur noch kurze 12 Stunden durch die dunkle Nacht nach München. Nach dem Start geht der Flug durch eine ausgedehnte Turbulenzen-Zone, so dass sich das Abendessen lange verzögert. 
Als wir schließlich um 6:25 Uhr im Erdinger Moos aufsetzen, ruft Oskar erstaunt: „Da liegt Schnee!“. Tatsächlich, neben dem Taxiway ist es weiß. 
Noch symbolischer hätte unsere Ankunft aus dem Sommer in den Winter nicht ausfallen können.

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21.12.2024 Brisbane – Singapur – München – Weilheim

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