Donnerstag, 26. Dezember 2024

21.12.2024 Brisbane – Singapur – München – Weilheim

Ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht. Aufregung oder das sehr weiche Bett? Keine Ahnung. Aber so kann ich unsere letzte Morgendämmerung in Australien miterleben.
In Brisbane wird es schon vor 4 Uhr hell, und als wir um 6 Uhr vor dem Hotel auf unseren UBER-Fahrer warten, ist es schon warm und der Tag in vollem Gange: Obwohl es Sonntag ist, sind die Radsportler unterwegs, alleine oder in Gruppen und viele Jogger laufen am Flussufer entlang. Wenn der Tag früh beginnt und das Tageslicht früh endet, stellt man sich darauf ein.
Zwanzig Minuten und eine Fahrt durch den Airport Link Tunnel, mit 6,7 Kilometer Länge der zweitlängste Straßentunnel Australiens, später sind wir am internationalen Terminal des Flughafens. Hier ist viel los, am frühen Morgen gehen viele Interkontinentalflüge raus, von Tokio über Seoul bis Vancouver ist alles dabei. 
Die Kofferabgabe gestaltet sich schwierig und zeitaufwendiger als gedacht. Der Platz vor den Druckern für die Gepäckaufkleber und den Gepäckaufgabeautomaten ist viel zu eng, hier stehen sich alle im Weg. Und als dann die Aufgabe nicht klappt, weil sich das System an allen Automaten eine Auszeit nimmt, ist das Chaos perfekt. Zwar sind alle Mitarbeiter minutenlang bemüht, einem zu helfen, aber es geht erst weiter, als die Chefin ihre High Priviledged-Rechte nutzt, um das System neu anzustoßen. Uns ist die Gepäckaufgabe am Schalter jedenfalls deutlich lieber.
Nach Ausreise- und Sicherheitskontrolle holen wir in der Halle an den Gates unser Frühstück nach; hier gibt es auch so guten Kaffee wie nur an wenigen Orten in Australien. Draußen parkt derweil schon unser Flugzeug: Wieder ein Airbus A350, diesmal jedoch eine Version ohne Premium Economy, so dass wir bis Singapur Tickets in der normalen Eco haben.
Das Boarding ist pünktlich, als Familie kommen wir wieder mit als Erste an Bord, dann rollen wir zur Startbahn. 
Die Abflugroute führt uns auf das Meer hinaus. Über der Moreton Bay, die zwischen Brisbane und North Stradbroke Island liegt, drehen wir im Steigflug eine 270 Grad-Kurve. So können wir noch einmal hinüberschauen auf „unsere“ Insel. Wie schön war es dort, wie werden wir die Strände und das Wasser vermissen.
Nach der Kurve sind wir wieder über dem Festland und gleiten über die nördlichen Vororte von Brisbane hinweg: Endlose Einfamilienhäuser-Suburbia, dazwischen die so typischen grünen Flecken der Cricket-Felder und Golfplätze. 
Eine Stunde später ist vom Grün nichts mehr zu sehen, die Wüste liegt unter uns, endlos graubraun und trocken. 
Da es draußen langweilig wird und bald auch Wolken die Sicht verdecken, trifft es sich gut, dass nun Mittagessen serviert wird. Und das kann sich bei Singapore Airlines auch in der Economy sehen lassen: Es ist reichhaltig einschließlich Eis zum Nachtisch, lecker, optisch ansprechend auf einem Tablett angerichtet. Und meilenweit entfernt von der „Chicken oder Pasta?“-Mahlzeit bei der Lufthansa, bei der man glücklich sein kann, wenn sie bereits vollständig aufgetaut und noch nicht zu Stein gebacken ist.
Wir queren den Kontinent diagonal und teils etwas rumpelig. Am an der Nordwestecke Australiens gelegenen Bonaparte Gulf - benannt nach Joseph Bonaparte, dem ältesten Bruder Napoleons – erreichen wir die Timorsee. Über Lombok und an Bali vorbei geht es über Indonesien hinweg und eine halbe Stunde vor der Landung wieder über den Äquator.
Im Landeanflug sehen wir viel deutlicher als beim Hinflug die Unmengen an Schiffen, die in der Singapore Strait auf Reede ankern. Kein Wunder, ist Singapur doch nach Tonnage, Güterumschlag und Umladung - insbesondere von Erdöl - der größte Hafen der Welt, und selbst das Angebot von 1.000 Liegeplätzen reicht dem Andrang nicht aus. 
Wir setzen wieder auf der Nordbahn auf und rollen zum Terminal 3. Hier bin ich einen Moment verwirrt, sieht doch alles total gleich aus wie der Bereich, bei dem wir vor dem Flug nach Melbourne warteten, einschließlich der Station für die Flughafenbahn, jedoch ohne die blauen Couchen, auf denen wir gesessen haben. Die Irritation ist schnell aufgeklärt: Diese Terminal-Sektion ist absolut baugleich zu der anderen, nur in einem anderen Flügel gelegen. 
Wir hatten eigentlich vor, die achteinhalb Stunden Aufenthalt für einen kurzen Ausflug in die Stadt zu nutzen, wie 2018 in Taipeh. Jedoch entscheiden wir uns nach kurzer Beratschlagung dagegen: Wir sind müde, mit Kind ist so ein Unternehmen deutlich schwieriger, und das Handgepäck durch Oskars Rollkoffer sehr hinderlich.
Statt dessen reisen wir zwar nach Singapur ein, besuchen jedoch nur das im Flughafenbereich gelegene Einkaufszentrum THE JEWEL mit seinem Wasserfall, den wir vor vier Wochen nur durch die Scheiben der Flughafenbahn gesehen hatten. Die Immigration verläuft vollautomatisch mit vorheriger Anmeldung via App und Scannen des Reisepasses an Automaten bei der tatsächlichen Einreise.
Der Wasserfall ist beeindruckend, wenn man vor ihm steht. Jedoch ist das subtropische Klima der Halle für uns unerträglich, so dass wir uns schnell wieder in den klimatisierten Bereich zurückziehen und bei einem französisch inspirierten Café zu Croissants und Kaffee Platz nehmen. In den langen Gängen und Concourses kurvt Oskar auf seinem Rollkoffer sitzend geschickt zwischen den vielen Menschen umher. Nach einiger Zeit hat er eine atemberaubende Perfektion erreicht und die Abstände zu den Hindernissen und Beinen werden immer enger.
Nach der Wiederausreise in den Abflugbereich sind immer noch einige Stunden bis Mitternacht totzuschlagen, was sich je länger es dauert als immer zäher erweist und der Müdigkeitspegel steigt. Oskar hält lange tapfer durch, schläft eine Stunde vor Boarding dann erschöpft auf einem kleinen Sofa im Wartebereich ein. Irgendwann ist endlich Boarding-Time und wir sind erlöst.
Am gleichen Gate wie beim Melbourne-Flug besteigen wir den A350 für den letzten Flug, nur noch kurze 12 Stunden durch die dunkle Nacht nach München. Nach dem Start geht der Flug durch eine ausgedehnte Turbulenzen-Zone, so dass sich das Abendessen lange verzögert. 
Als wir schließlich um 6:25 Uhr im Erdinger Moos aufsetzen, ruft Oskar erstaunt: „Da liegt Schnee!“. Tatsächlich, neben dem Taxiway ist es weiß. 
Noch symbolischer hätte unsere Ankunft aus dem Sommer in den Winter nicht ausfallen können.

Dienstag, 24. Dezember 2024

20. Dezember 2024 North Stradbroke Island - Brisbane

Heute geht sie zu Ende, unsere große Camperfahrt. Bis 15:30 Uhr müssen wir bei der MAUI-Niederlassung im Norden von Brisbane sein. Vorher steht als fixer Termin jedoch noch um 9 Uhr die Fährüberfahrt zurück auf das Festland an.  
Um kurz nach 6 bin ich schon auf, ich möchte unbedingt noch einmal im Meer schwimmen, ein letztes Mal den australischen Sommer genießen, bevor es zurück geht in den deutschen Winter.  
Das Meer ist ruhig und genauso warm wie gestern, die Sonne steht schon hoch am Himmel - herrlich.
Zum Frühstück gibt es nur einen Kaffee, es ist eh nichts mehr da, wir haben exzellent gewirtschaftet und der Kühlschrank ist leer. Anschließend Wasserauffüllen und ein letztes Mal Dumpen - etwas, was man am Camperleben nicht vermissen wird -, dann verlassen wir schon wieder diesen herrlich gelegenen Campground; der Besuch war kurz und intensiv.
Zwanzig nach acht stehen wir am Anleger, in zwanzig Minuten soll das Boarding beginnen. Das Schiff ist noch nicht da, in der Ferne aber schon erkennbar. Wir nutzen die Zeit für erste Packarbeiten. Wir haben uns ganz strikt gestern noch einen vollen Urlaubstag gegönnt und noch nichts für die Abgabe vorbereitet, alles ist auf heute vertagt.
Die Überfahrt ist genau so schön wie gestern. Wir stehen ganz oben auf dem höchsten Deck und blicken zurück auf Straddie. Die langsam hinter uns zurückbleibende Insel ist wie ein Symbol für das Ende unseres Urlaubs. 
In Cleveland angekommen halten wir uns nicht lange auf, wir wollen so schnell wie möglich zur Vermieter-Station. Und davor liegt noch einmal eine Fahrt durch eine Millionenstadt. Wieder haben wir das Navi auf eine Route ohne Mautstraßen programmiert und verifizieren sie mit Google Maps auf dem Handy. 
28 Kilometer sind es noch bis Brisbane. Bei dieser Gelegenheit fragen wir uns zum ersten Mal, warum in Australien die Entfernungen in Kilometer angegeben werden; das englische Erbe und auch der seit Jahrzehnten bestehende amerikanische Einfluss hätten eigentlich auf eine Angabe in Meilen schließen lassen. Jedenfalls war es eine nicht unkluge Entscheidung, dem metrischen System den Vorzug gegeben zu haben.
Ein letztes Mal stellen sich Susanne am Steuer auch die komplexen Kreisverkehre in den Weg, die ihr in den letzten Wochen mehr Unbehagen als Fahrspaß bereitet haben.
Über breite Straßen und durch weit ausgedehnte Suburbs, die aber alle schon zur Stadt gehören, gelangen wir in die City und zur großen Gitter-Hängebrücke über den Brisbane River, die vom Baustil her an die Queensborough Bridge in New York erinnert.
Auf der anderen Seite rollen wir durch die Randbezirke von Chinatown. Es ist, jedenfalls das was wir sehen, keine ausgesprochen attraktive Stadt. Vielleicht kann unser Ausflug am Nachmittag das noch ein wenig korrigieren.
Nachdem wir vor einigen Tagen in Warwick zu absoluten Niedrigstpreisen getankt hatten, erwischen wir heute für das abschließende Volltanken vor der Rückgabe eine bis jetzt nicht erlebte Hochpreisregion: Sage und schreibe 40 Cent zahlen wir hier mehr als in Warwick und haben noch Glück mit einem Preis von 1,99 AUD für den Liter Diesel.
Wenige hundert Meter vom Vermieter entfernt stellen wir uns in einer Wohnstraße in den Schatten eines großen Baumes - bei 30° sehr vorteilhaft - und räumen alle Schränke und Fächer aus, verpacken alles soweit es eben geht in die Koffer und Taschen. 
Zwei prall gefüllte Müllsäcke fallen auch noch an, der ganze Rest, der übrig bleibt oder nicht mitfliegt.
Als wir zwei Stunden später bei MAUI auf den Hof fahren wird es spannend. Unser Fahrzeug hat ja doch einige Macken, so die in den letzten Tagen aufgetretene Unzuverlässigkeit der Automatik. 
Es gibt jedoch keine Rückfrage, die beiden Mitarbeiter sind total entspannt und ruckzuck ist alles erledigt. Der Wagen wird nicht kontrolliert, mit Abgabe des Schlüssels im Office ist für die Jungs die Abgabe vollbracht. Wir sind ein weiteres Mal froh uns das extra hinzu gebuchte All Inclusive-Paket gegönnt zu haben, mit dem die lästige und langwierige Reinigung am letzten Urlaubstag entfällt.
Schneller als gedacht sitzen wir somit in einem UBER-Taxi auf dem Weg zurück in die City. Das COSMO APARTMENT HOTEL liegt im Stadtteil Milton nahe am Fluss. Noch vor 15 Uhr sind wir dort. Der CheckIn besteht, so scheint es uns, vor allem aus Mahnungen, was alles in diesem Haus und auf unserem Zimmer verboten ist und uns bei Zuwiderhandlung mittels der eigens hierfür eingezogenen Kaution in Rechnung gestellt wird. Eine komische Art, Gäste zu empfangen.
Das Apartment ist großzügig mit gemütlichen Wohnzimmer und Küchenzeile sowie zwei Schlafzimmern und Bad. 
Wir stellen die Koffer ab und machen uns frisch. Ein wenig wollen wir zumindest hineinschnuppern in die drittgrößte Stadt des Kontinents.
Am Flussufer liegt eine Haltestelle für die den Fluss abfahrenden Schnellfähre. Die Fähre kommt halbstündlich. Das Ticketing funktioniert genauso mit Kreditkarte wie in Sydney, schnell, problemlos und mit 0,50 AUD für die Fahrt unschlagbar günstig.
Mit dem schnellen Katamaran brausen wir den Fluss hinunter. Wir stehen ganz vorne, die Gischt spritzt, Dazu ist es wieder herrlich warm - ein letztes Mal sommerliches Feriengefühl.
Die Fahrt geht unter verschiedensten Brücken hindurch, zu Füßen einer sehenswerten Skyline. Der Fluss macht einige große Bögen um die City, hier BCA "Business and Commercial Area" genannt, und schließlich unter der großen Gitterbrücke hindurch, über die wir vorhin gefahren sind.
Hier liegt die Anlegestelle "Howard Smith Wharves", an der sich ein toller Lookout auf Brücke und Skyline findet sowie eine vielseitige und bereits am Spätnachmittag gut besuchte Einkehrmeile. Diese hat vom Nobelrestaurant über eine mit rockiger Musik beschallten Terrasse mit Flusssicht bis zur riesigen Bierhalle einer Brewery alles zu bieten.
Wir haben Hunger und wählen ein weiteres Mal eine Filiale der bewährten "Betty‘s Burgers"-Kette.
Als wir wieder zurückfahren wollen, erweist sich das als schwieriger als geplant. Die ankommende Flussfähre hält aus welchen Gründe nicht in Milton und ist überdies so voll, dass nicht alle Wartenden mitfahren können. Auf Anfrage bei der Mitarbeiterin der Fähre meint sie dass innerhalb der nächsten 30 Minuten keine Fähre kommt die in Milton hält. Nicht alle Fähren sind unterwegs und die Fähren, die aktiv fahren, für Samstag Abend übervoll und ohne Gewähr dass man mitkommt. 
Nun müssen wir umdisponieren. Wir fahren mit einem Aufzug hinauf zu einer oberhalb des Flusses verlaufenden Straße, und Susanne ruft wieder einmal ein UBER-Taxi, das kaum fünf Minuten später eintrifft.
Bei der Fahrt zurück zum Hotel sehen wir nun auch die Straßen der City. Erinnerte uns Melbourne an Boston, so kommt mir hier in den Straßen eher die Assoziation von Philadelphia. Ein nüchtern-funktionaler Mix von alt und neu, ein wenig verlebt hier, ein wenig zu viel Beton dort. Die flussseitige Ansicht ist zweifellos die Schokoladenseite der Stadt.
Während der Fahrt fällt die Dunkelheit über die Stadt. Obwohl heute Mittsommernacht ist und damit der längste Tag des Jahres, ist es um 19 Uhr weitgehend dunkel. Für uns Sommerzeit-verwöhnte Mitteleuropäer eine kaum glaublich frühe Uhrzeit.
Zurück im Hotelzimmer wartet nun noch Arbeit auf uns: Alles muss jetzt in die Koffer passen, auch das, was wir in separaten Tüten ins Hotel transportiert haben. 
Gegen 22 Uhr und nach zwei letzten Bierchen ist alles gepackt. Der Rückflug kann kommen, wir fallen müde in die Hotelbetten.

Sonntag, 22. Dezember 2024

20. Dezember 2024 Springbrook National Park - North Stradbroke Island

Was für eine herrliche Nacht. Nicht weil es so still war, sondern weil es so viel zu hören gab. Nie zuvor gehörte Vögel durchdrangen die Nacht mit ihren exotischen Stimmen. Ein faszinierendes akustisches Erlebnis, als wäre man im Dschungel. Wieder lassen die Tropen grüßen.
Wie immer hier im Sommerzeitlosen Queensland wird es sehr früh hell. Ich öffne die Vorhänge einen Spalt, und kaum drei Meter vor dem Camper steht völlig ruhig ein Wallaby. Es scharrt im Boden, knabbert hier ein paar Halme und dort ein paar Blätter. Und es hat sogar ein Junges im Beutel. Wie schön.
Sie sind tatsächlich deutlich kleiner als die normalen Kängurus, selbst als die kleinen Vertreter ihrer Rasse. Aber ebenso behende verwenden sie den Schwanz wie ein drittes oder fünftes Bein, je nach Körperhaltung; ohne ihn könnten sie kaum das Gleichgewicht halten oder bestimmte Bewegungen machen. Welch eine Phantasie die Natur hat, um zu optimalen Lösungen zu kommen.
Bei der Verabschiedung von Diana, Christian und Emilia überlassen wir ihnen unsere gelben Auffahr-Keile für das Leveln. Sie haben uns gute Dienste geleistet, seitdem wir sie von Felix geschenkt bekommen haben. Nun haben wir nur noch eine Nacht am Meer, da werden wir sie nicht mehr brauchen; den Peißenbergern werden sie aber in den nächsten Wochen bestimmt noch nützlich sein. 
Der Springbrook National Park bietet nicht nur die phantastischen Regenwälder und einen Weltklasse-Wasserfall, sondern auch noch mehrere Lookouts in verschiedene Canyons und bis zur Küstenebene. Wir steuern denjenigen an, der sich für uns am einfachsten anfahren lässt, und zufällig ist dies der "Best of All Lookout". Vierhundert Meter Spaziergang durch den Regenwald, dann erreichen wir eine direkt über einem spektakulären Felsabbruch gelegene Aussichtsplattform. Der Blick ist in der Tat beeindruckend, leider ist es dann aber doch zu hochsommerlich-diesig, als dass wir bis ans Meer schauen könnten. Es lässt sich nur ganz am Horizont erahnen.
Eine Infotafel erklärt, dass der Felsabbruch der Rest eines uralten Vulkans ist, von dem seit seinem Ausbruch vor Äonen nur noch diese Bergflanke erhalten ist.
Für mehr Besichtigungen als diese fehlt uns jedoch ein wenig die Zeit, denn wir wollen heute noch eine Fähre erreichen - und: bei der Anfahrt zum Lookout macht auch der Camper erneut Probleme mit der Automatik. Auf den wenigen Kilometern zum Aussichtspunkt bleibt der Camper an den kurzen aber steilen Hügeln fast stehen. Erneutes Stirnrunzeln bei uns, wie gut wir nun mit dem Camper bis zum Zielort kommen wollen. Nach dem Lookout zeigt sich dann unser Sprinter wieder versöhnlich mit uns, er schnurrt wie ein Kätzchen. Somit kann es nun entspannt ein letztes Mal  Richtung Meer gehen. 
Noch im Nationalpark sehen wir sogar noch einen Dingo. Jetzt können wir wirklich bald alle typisch australischen Tiere abhaken. 
Der Dingo entstammt dem Gegenteil der Domestizierung: Er gehört zoologisch zu den Wölfen, ist aber ein Haushund, der schon vor Jahrtausenden verwilderte und heute völlig unabhängig lebt, vor allem hier in Australien. 
Als großes Finale unseres Urlaubs - und auch anlässlich unseres Hochzeitstages - hat Susanne noch eine besondere Übernachtung am Meer arrangiert, und daher schlafen wir auf der Insel North Stradbroke Island. 
Wir verlassen also den Nationalpark über die bekannte Bergstraße, die beim Herunterfahren kürzer und etwas weniger steil erscheint wir gestern beim Hochfahren.
Da das Navi uns dann mehrfach auf die bestimmt kürzeste Route, jedoch unseres Erachtens schmale und kurvige Straßen leitet, navigieren wir wie früher mit dem Autoatlas auf dem Schoß hinunter nach Nerang und den Hochhäusern der Gold Coast entgegen.
Unten wählen wir wieder den Pacific Highway, der hier im Hinterland des lebhaften Küstentrubels und als Zubringer in die Millionenstadt Brisbane breit ausgebaut und stark befahren ist. Vor allem in der Gegenrichtung ist immenser Verkehr; klar, es ist der Samstag vor Weihnachten und der Beginn der Sommerferien für viele, da wollen alle ans Meer.
Wir fahren an mehreren großen Vergnügungsparks von Warner und Co. vorbei mit ihren Wasserrutschen und Achterbahnen und müssen dann wie schon in Sydney aufpassen, nicht eine der Toll Roads zu erwischen.
Nach Verlassen der Autobahn rollen wir wieder in Richtung Küste. In Victoria Point legen wir noch einmal einen Verpflegungsstopp ein und wählen wohl zum letzten Mal McDonalds für Oskar und SUBWAY für die Erwachsenen, danach ist Cleveland und sein Fähranleger schnell erreicht.
Wir haben ausreichend Zeitpuffer eingeplant und können nun am Hafen in aller Ruhe beobachten, wie sich die von der Insel kommende Fähre langsam dem Hafen nähert und anlegt. Es ist herrlich warm, das Meer zwischen Festland und Insel beinahe völlig glatt, um uns herum Urlaubsstimmung unter den mit uns Wartenden. Oskar freundet sich mit einer älteren Dame und vor allem ihrer Golden-Mischlingshündin Daisy an; er streichelt wohl eine halbe Stunde ihre Ohren - die der Hündin, nicht die der Dame.
Nachdem alle Autos von der angekommenenen Fähre heruntergefahren sind, wird es spannend und wir fahren vorsichtig über die stählerne Rampe auf die MINJERRIBAH auf.
Die Überfahrt macht großen Spaß, es ist wie Ferien im Urlaub. Oskar ist total aufgeregt, obwohl das bereits die zehnte Schiffahrt in diesem Urlaub ist: Die Fahrt nach North Stradbroke Island - liebevoll Straddie genannt - ist noch einmal etwas Besonderes.
45 Minuten dauert es, dann ist die Insel erreicht und wir legen in Dunwich an. Mit als erste können wir vom Schiff herunterfahren. 
Die Insel ist extrem dünn besiedelt und besteht überwiegend aus Naturschutzgebieten und einem Nationalpark. Es gibt nur den auf der Pazifikseite liegenden Hauptort Point Lookout, den von ein paar Häusern und umgebenen Fährhafen in Dunwich sowie die kleine Siedlung Amity Point im Norden auf der der Bay zugewandten Seite. 
Hier liegt unser Campground. Der Weg dorthin führt wieder einmal durch Eukalyptuswälder, die Bäume sind jedoch nicht so groß und ausladend wie die meisten auf dem Festland, jedoch leben auch auf ihnen Koalas.
Das Office am Campingplatz hat schon geschlossen, aber wie immer liegen für die Spätankommlinge vorbereitete Briefumschläge im "Late Arrival"-Körbchen. Nach uns werden heute außer uns noch zehn weitere Gäste erwartet.
Die uns zugewiesene Site liegt direkt am Meer, kaum 20 Meter und eine Baumreihe entfernt liegt der Strand.
Wir schließen den Camper am Strom an und lassen dann alles stehen und liegen, nur schnell ans Wasser. 
Und ins Wasser, Susanne und ich schwimmen abwechseld im badewannenwarmen seichten 
Wasser, Oskar wagt sich bis zum Bauchnabel hinein.
Als dann die Zeit des Sonnenuntergangs ansteht, so früh wie der Tag beginnt so früh endet er auch, sitzen wir mit unserem letzten Abendessen und einem Feierabendbier auf unseren Klappstühlen am Ufer. Leider bleibt wegen ein paar Wolken am Horizont das ganz große Sonnenuntergangs-Spektakel aus, aber auch so ist die Verfärbung des Himmels von blau über rot-gelb bis zu einem zarten Violett zum Schluss ganz großes Kino.
Kaum ist die Sonne untergegangen bricht die Nacht herein, und um Viertel nach sieben ist es stockfinster.
Oskar und ich machen später noch eine kleine Nachtwanderung am Meer entlang, auf den Anglerpier und zum Spielplatz. Wir suchen am Himmel nach dem Kreuz des Südens, und diesmal sehen wir es.
Welch ein schönes Ende eines herrlichen Tages.

21.12.2024 Brisbane – Singapur – München – Weilheim

Ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht. Aufregung oder das sehr weiche Bett? Keine Ahnung. Aber so kann ich unsere letzte Morgendämmerung ...