Dienstag, 3. Dezember 2024

01. Dezember 2024 Mallacoota - Pambula Beach

In der Nacht hat sich in aller Stille Oskars Wackelzahn verabschiedet. Er präsentiert ganz stolz am Morgen jenen Zahn und seine nun präsente Zahnlücke, alles ging unkompliziert - perfekt.
Der neue Monat begrüßt uns mit viel blauem Himmel und einem schönen Sonnenaufgang über der Bucht. Ich bin schon um 6 Uhr auf und beobachte die vielen Pelikane, die sich in der Luft bewegen, sich im Wasser tummeln oder in Gruppen auf den Sandbänken zusammenstehen.
Herrlich: Zum ersten Mal seit einer Woche können wir draußen frühstücken. Nach den vielen wettermäßig durchwachsenen Tagen genießen wir das in vollen Zügen. Auch für einen zweiten Kaffee lassen wir uns Zeit und betrachten dabei WhatsApp-Fotos aus der Heimat von ersten Weihnachtsmarktbesuchen. Dass heute der 1. Advent ist erscheint bei sommerlichen Temperaturen ein wenig skurril.
Mallacoota liegt ziemlich genau in der südöstlichen Ecke Australiens. Damit wechseln wir heute wieder die grobe Fahrtrichtung: Es geht nordwärts, und nicht mehr am Southern Ocean entlang, sondern am Pazifik in Form des Tasmanischen Meeres, das zwischen Australien und Neuseeland liegt. Benannt ist es nach Abel Tasman. Der Holländer war der große Pechvogel unter den Entdeckern. Er war ausgeschickt worden, um das sagenumwobene Südland, die Terra Australis, zu finden, das vorher bereits die Portugiesen betreten hatten, wohl ohne seine Bedeutung zu erkennen. Tasman hatte auf seiner Expedition zwar den richtigen Riecher, segelte aber 2.000 Kilometer an der Südküste entlang, ohne zu bemerken, dass knapp nördlich der Horizontlinie der gesuchte Kontinent lag. 
Er entdeckte dann Tasmanien und Neuseeland und stieß auf der Rückfahrt schließlich auch auf die australische Nordküste, war aber nach den verlustreichen Begegnungen mit den Maoris in Neuseeland so deprimiert, dass er in Australien nicht mehr an Land ging. So ging der Entdeckerruhm für den neuen Kontinent schließlich an James Cook. Immerhin trägt eine große Insel und eben ein Teil des Pazifischen Ozeans den Namen Tasmans.
Wieder auf dem Princess Highway überqueren wir bald die Grenze zu New South Wales.
Zum im Beowa National Park gelegenen Boyd's Tower, unserem ersten Zwischenstopp, führt zunächst eine kilometerlange Stichstraße und schließlich eine kurze Gravel Road. An deren Ende sind wir die einzigen auf dem großen Parkplatz, nur ein mit Pflanzenpflege beschäftigter Parkranger ist zu sehen. Hier sind die Nationalparkgebühren an einem Automaten zu entrichten, der völlig autark solarbetrieben mittels Kreditkarte funktioniert; man gibt die Autonummer an, hält die Karte hin, fertig. 
Der Turm steht auf einer Klippe aus leuchtend roten Felsen an der Spitze einer Landzunge an der Sapphire Coast und wurde 1847 erbaut von Benjamin Boyd, einem schottischen Magnaten im damaligen Walfanggeschäft, dem im 19. Jahrhundert einzigen lukrativen Wirtschaftszweig Australiens. Ursprünglich als Leuchtturm konzipiert, diente er dann jedoch nur der Beobachtung der auf ihren Wanderungen regelmäßig nahe der Küste vorbei ziehenden Wale. Erschienen ihre charakteristischen Blows auf dem Wasser, wurden mittels eines Kanonenschusses und Rauchzeichen die Walfang-Crews alarmiert, die dann mit ihren Booten und mit Harpunen bewaffnet ausliefen. 
Boyd, dessen Name auf allen vier Seiten des Turms verewigt ist, ging dann jedoch bankrott und verließ Australien als armer Mann. Heute erinnert nur noch diese gut erhaltene Ruine an ihn.
Zum Turm führt uns ein rollstuhlgerechter Weg hinunter, einige aufwendig gestaltete Tafeln informieren über die Geschichte des Turms, die Aborigines, die hier lebten und über die lokale Tierwelt. Den Turm kann man nicht besteigen, er ist innen hohl. Dafür bieten einige Aussichtspunkte prächtige Blicke auf das Meer, dessen Wellen unter uns an die prägnant roten Felsen branden.
Der Parkranger gesellt sich zu uns. Ob uns die neuen Infotafeln gefallen würden, sie seien erst vor drei Monaten angebracht worden. Sehr schön, antworten wir. Von dem Brand 2020 ist viel Natur zerstört worden; heute ist davon zum Glück nichts mehr zu sehen, sie hätten viel Arbeit investiert und auch neue Büsche gepflanzt. Der Regen gestern war für die Natur ein Segen, auch für das Gras, das sie ausgesät hätten. "Perfect for the nature, not so good for us on holiday", antworten wir, uns an den Regen der vergangenen Tage erinnernd. Hier wäre es gestern der erste Regen seit dem Winter gewesen, meint er schmunzelnd, ein Tag Regen in sechs Monaten sei doch fair. Willkommen in New South Wales, geht es mir durch den Kopf. Und wenn hier noch alle Leute so gut verständlich reden wie dieser Ranger, umso besser.
Wir fahren wieder zurück zum Highway, lassen dabei die 22 Kilometer lange Gravel Road zum Lighthouse am Green Cape aus, das ist uns zu anstrengend und mit dem Sprinter zu zeitaufwendig. Dafür sehen wir kurz hintereinander zwei Wallabies, eine sehr kleine dunkle Känguru-Art. Sie äsen auf den breiten Schneisen, die zum Brandschutz entlang der Straßen in den Wald gefräst sind und natürlich vorzügliche Äsungsflächen bieten.
Wallabies sind drollige Tiere. Wir lesen über sie, das sie in Australien dabei beobachtet wurden, Kornkreise in Opiumfelder zu treten. Im Zusammenhang mit dem Verzehr des Schlafmohns geraten sie in einen Rauschzustand und beginnen in den Feldern bis zur völligen Erschöpfung im Kreis zu laufen.
Einige Kilometer weiter kommen wir nach Eden, auf der anderen Seite einer Bucht genau dem Turm gegenüber gelegen. Hier war einst eine Hochburg des Walfangs, vieles erinnert noch an diese Zeit. Die Walbestände waren durch den exzessiven australischen Walfang bestandsbedrohend dezimiert, bis das Fangverbot in den 1970ern die Bestände wieder erholen ließ. Heute ziehen alljährlich wieder unter anderem 55.000 Buckelwale an den Küsten Australiens entlang. Orcas ließen sich übrigens kaum bejagen, die schlauen Jäger tauchten einfach unter den Walfängern hindurch.
Eigentlich hatten wir noch eine Wanderung entlang eines kurzen Coastal Trails geplant, fahren dann aber an der kaum beschilderten Abfahrt unbemerkt vorbei. Egal, denken wir uns, haben wir gleich mehr Zeit am Strand.
Der DISCOVERY PARKS in Pambula Beach ist mehr eine Ferienanlage als ein Campingplatz. Er bietet nicht nur direkten Zugang zum Strand, sondern auch eine kindergerechte Badelandschaft, einen umfangreichen Spielplatz und viele andere Aktivitäten. Ein wenig belustigt sind wir über das Schild: "Don't feed the kangoroos!" Aber dann trauen wir unseren Augen nicht: Auf den Grünflächen, unter Bäumen, auf den Freiflächen zwischen den Campern und Wohnwagen stehen und liegen überall Kängurus - große, kleine, mal in Trupps, mal einzeln. Unglaublich schön.
Der Strand ist nah, von unserer Campsite ist das Brausen des Meeres laut zu hören. Also überlegen wir nicht lange und gehen an den Strand.
Und was für ein Strand: Kilometerlang erstreckt sich der helle Sand, die wenigen Menschen verteilen sich großzügig, vor uns laufen die hohen Wellen an, die aber durch eine lange vorgelagerte flache Zone gebremst werden.Weiter draußen versuchen sich wieder die Surfer, mal mit mehr mal mit weniger Erfolg.
Oskar kennt kein Halten mehr und läuft unermüdlich strandauf und strandab durch das seichte Wasser. Ich würde am liebsten Baden gehen, traue mich aber nicht recht in die massiven Wellen.
Wie gut dass wir den Wandertrail verpasst haben, so haben wir nun alle Zeit der Welt.
Unseren Campingtisch bauen wir später so auf, dass wir die Kängurus beim Abendessen bequem betrachten können. Wir beobachten die Tiere bei ihren anmutigen Bewegungen, bei denen sie ihren absurd lang wirkenden Schwanz als fünftes Bein benutzen, sehen sie in langen Sätzen hüpfen und erkennen sogar ein Jungtier im Beutel der Mutter 
Großes Kino für uns in Pambula Beach.

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