Was für eine herrliche Nacht. Nicht weil es so still war, sondern weil es so viel zu hören gab. Nie zuvor gehörte Vögel durchdrangen die Nacht mit ihren exotischen Stimmen. Ein faszinierendes akustisches Erlebnis, als wäre man im Dschungel. Wieder lassen die Tropen grüßen.
Wie immer hier im Sommerzeitlosen Queensland wird es sehr früh hell. Ich öffne die Vorhänge einen Spalt, und kaum drei Meter vor dem Camper steht völlig ruhig ein Wallaby. Es scharrt im Boden, knabbert hier ein paar Halme und dort ein paar Blätter. Und es hat sogar ein Junges im Beutel. Wie schön.
Sie sind tatsächlich deutlich kleiner als die normalen Kängurus, selbst als die kleinen Vertreter ihrer Rasse. Aber ebenso behende verwenden sie den Schwanz wie ein drittes oder fünftes Bein, je nach Körperhaltung; ohne ihn könnten sie kaum das Gleichgewicht halten oder bestimmte Bewegungen machen. Welch eine Phantasie die Natur hat, um zu optimalen Lösungen zu kommen.
Bei der Verabschiedung von Diana, Christian und Emilia überlassen wir ihnen unsere gelben Auffahr-Keile für das Leveln. Sie haben uns gute Dienste geleistet, seitdem wir sie von Felix geschenkt bekommen haben. Nun haben wir nur noch eine Nacht am Meer, da werden wir sie nicht mehr brauchen; den Peißenbergern werden sie aber in den nächsten Wochen bestimmt noch nützlich sein.
Der Springbrook National Park bietet nicht nur die phantastischen Regenwälder und einen Weltklasse-Wasserfall, sondern auch noch mehrere Lookouts in verschiedene Canyons und bis zur Küstenebene. Wir steuern denjenigen an, der sich für uns am einfachsten anfahren lässt, und zufällig ist dies der "Best of All Lookout". Vierhundert Meter Spaziergang durch den Regenwald, dann erreichen wir eine direkt über einem spektakulären Felsabbruch gelegene Aussichtsplattform. Der Blick ist in der Tat beeindruckend, leider ist es dann aber doch zu hochsommerlich-diesig, als dass wir bis ans Meer schauen könnten. Es lässt sich nur ganz am Horizont erahnen.
Eine Infotafel erklärt, dass der Felsabbruch der Rest eines uralten Vulkans ist, von dem seit seinem Ausbruch vor Äonen nur noch diese Bergflanke erhalten ist.
Für mehr Besichtigungen als diese fehlt uns jedoch ein wenig die Zeit, denn wir wollen heute noch eine Fähre erreichen - und: bei der Anfahrt zum Lookout macht auch der Camper erneut Probleme mit der Automatik. Auf den wenigen Kilometern zum Aussichtspunkt bleibt der Camper an den kurzen aber steilen Hügeln fast stehen. Erneutes Stirnrunzeln bei uns, wie gut wir nun mit dem Camper bis zum Zielort kommen wollen. Nach dem Lookout zeigt sich dann unser Sprinter wieder versöhnlich mit uns, er schnurrt wie ein Kätzchen. Somit kann es nun entspannt ein letztes Mal Richtung Meer gehen.
Noch im Nationalpark sehen wir sogar noch einen Dingo. Jetzt können wir wirklich bald alle typisch australischen Tiere abhaken.
Der Dingo entstammt dem Gegenteil der Domestizierung: Er gehört zoologisch zu den Wölfen, ist aber ein Haushund, der schon vor Jahrtausenden verwilderte und heute völlig unabhängig lebt, vor allem hier in Australien.
Als großes Finale unseres Urlaubs - und auch anlässlich unseres Hochzeitstages - hat Susanne noch eine besondere Übernachtung am Meer arrangiert, und daher schlafen wir auf der Insel North Stradbroke Island.
Wir verlassen also den Nationalpark über die bekannte Bergstraße, die beim Herunterfahren kürzer und etwas weniger steil erscheint wir gestern beim Hochfahren.
Da das Navi uns dann mehrfach auf die bestimmt kürzeste Route, jedoch unseres Erachtens schmale und kurvige Straßen leitet, navigieren wir wie früher mit dem Autoatlas auf dem Schoß hinunter nach Nerang und den Hochhäusern der Gold Coast entgegen.
Unten wählen wir wieder den Pacific Highway, der hier im Hinterland des lebhaften Küstentrubels und als Zubringer in die Millionenstadt Brisbane breit ausgebaut und stark befahren ist. Vor allem in der Gegenrichtung ist immenser Verkehr; klar, es ist der Samstag vor Weihnachten und der Beginn der Sommerferien für viele, da wollen alle ans Meer.
Wir fahren an mehreren großen Vergnügungsparks von Warner und Co. vorbei mit ihren Wasserrutschen und Achterbahnen und müssen dann wie schon in Sydney aufpassen, nicht eine der Toll Roads zu erwischen.
Nach Verlassen der Autobahn rollen wir wieder in Richtung Küste. In Victoria Point legen wir noch einmal einen Verpflegungsstopp ein und wählen wohl zum letzten Mal McDonalds für Oskar und SUBWAY für die Erwachsenen, danach ist Cleveland und sein Fähranleger schnell erreicht.
Wir haben ausreichend Zeitpuffer eingeplant und können nun am Hafen in aller Ruhe beobachten, wie sich die von der Insel kommende Fähre langsam dem Hafen nähert und anlegt. Es ist herrlich warm, das Meer zwischen Festland und Insel beinahe völlig glatt, um uns herum Urlaubsstimmung unter den mit uns Wartenden. Oskar freundet sich mit einer älteren Dame und vor allem ihrer Golden-Mischlingshündin Daisy an; er streichelt wohl eine halbe Stunde ihre Ohren - die der Hündin, nicht die der Dame.
Nachdem alle Autos von der angekommenenen Fähre heruntergefahren sind, wird es spannend und wir fahren vorsichtig über die stählerne Rampe auf die MINJERRIBAH auf.
Die Überfahrt macht großen Spaß, es ist wie Ferien im Urlaub. Oskar ist total aufgeregt, obwohl das bereits die zehnte Schiffahrt in diesem Urlaub ist: Die Fahrt nach North Stradbroke Island - liebevoll Straddie genannt - ist noch einmal etwas Besonderes.
45 Minuten dauert es, dann ist die Insel erreicht und wir legen in Dunwich an. Mit als erste können wir vom Schiff herunterfahren.
Die Insel ist extrem dünn besiedelt und besteht überwiegend aus Naturschutzgebieten und einem Nationalpark. Es gibt nur den auf der Pazifikseite liegenden Hauptort Point Lookout, den von ein paar Häusern und umgebenen Fährhafen in Dunwich sowie die kleine Siedlung Amity Point im Norden auf der der Bay zugewandten Seite.
Hier liegt unser Campground. Der Weg dorthin führt wieder einmal durch Eukalyptuswälder, die Bäume sind jedoch nicht so groß und ausladend wie die meisten auf dem Festland, jedoch leben auch auf ihnen Koalas.
Das Office am Campingplatz hat schon geschlossen, aber wie immer liegen für die Spätankommlinge vorbereitete Briefumschläge im "Late Arrival"-Körbchen. Nach uns werden heute außer uns noch zehn weitere Gäste erwartet.
Die uns zugewiesene Site liegt direkt am Meer, kaum 20 Meter und eine Baumreihe entfernt liegt der Strand.
Wir schließen den Camper am Strom an und lassen dann alles stehen und liegen, nur schnell ans Wasser.
Und ins Wasser, Susanne und ich schwimmen abwechseld im badewannenwarmen seichten
Als dann die Zeit des Sonnenuntergangs ansteht, so früh wie der Tag beginnt so früh endet er auch, sitzen wir mit unserem letzten Abendessen und einem Feierabendbier auf unseren Klappstühlen am Ufer. Leider bleibt wegen ein paar Wolken am Horizont das ganz große Sonnenuntergangs-Spektakel aus, aber auch so ist die Verfärbung des Himmels von blau über rot-gelb bis zu einem zarten Violett zum Schluss ganz großes Kino.
Kaum ist die Sonne untergegangen bricht die Nacht herein, und um Viertel nach sieben ist es stockfinster.
Oskar und ich machen später noch eine kleine Nachtwanderung am Meer entlang, auf den Anglerpier und zum Spielplatz. Wir suchen am Himmel nach dem Kreuz des Südens, und diesmal sehen wir es.
Welch ein schönes Ende eines herrlichen Tages.
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