Dienstag, 24. Dezember 2024

20. Dezember 2024 North Stradbroke Island - Brisbane

Heute geht sie zu Ende, unsere große Camperfahrt. Bis 15:30 Uhr müssen wir bei der MAUI-Niederlassung im Norden von Brisbane sein. Vorher steht als fixer Termin jedoch noch um 9 Uhr die Fährüberfahrt zurück auf das Festland an.  
Um kurz nach 6 bin ich schon auf, ich möchte unbedingt noch einmal im Meer schwimmen, ein letztes Mal den australischen Sommer genießen, bevor es zurück geht in den deutschen Winter.  
Das Meer ist ruhig und genauso warm wie gestern, die Sonne steht schon hoch am Himmel - herrlich.
Zum Frühstück gibt es nur einen Kaffee, es ist eh nichts mehr da, wir haben exzellent gewirtschaftet und der Kühlschrank ist leer. Anschließend Wasserauffüllen und ein letztes Mal Dumpen - etwas, was man am Camperleben nicht vermissen wird -, dann verlassen wir schon wieder diesen herrlich gelegenen Campground; der Besuch war kurz und intensiv.
Zwanzig nach acht stehen wir am Anleger, in zwanzig Minuten soll das Boarding beginnen. Das Schiff ist noch nicht da, in der Ferne aber schon erkennbar. Wir nutzen die Zeit für erste Packarbeiten. Wir haben uns ganz strikt gestern noch einen vollen Urlaubstag gegönnt und noch nichts für die Abgabe vorbereitet, alles ist auf heute vertagt.
Die Überfahrt ist genau so schön wie gestern. Wir stehen ganz oben auf dem höchsten Deck und blicken zurück auf Straddie. Die langsam hinter uns zurückbleibende Insel ist wie ein Symbol für das Ende unseres Urlaubs. 
In Cleveland angekommen halten wir uns nicht lange auf, wir wollen so schnell wie möglich zur Vermieter-Station. Und davor liegt noch einmal eine Fahrt durch eine Millionenstadt. Wieder haben wir das Navi auf eine Route ohne Mautstraßen programmiert und verifizieren sie mit Google Maps auf dem Handy. 
28 Kilometer sind es noch bis Brisbane. Bei dieser Gelegenheit fragen wir uns zum ersten Mal, warum in Australien die Entfernungen in Kilometer angegeben werden; das englische Erbe und auch der seit Jahrzehnten bestehende amerikanische Einfluss hätten eigentlich auf eine Angabe in Meilen schließen lassen. Jedenfalls war es eine nicht unkluge Entscheidung, dem metrischen System den Vorzug gegeben zu haben.
Ein letztes Mal stellen sich Susanne am Steuer auch die komplexen Kreisverkehre in den Weg, die ihr in den letzten Wochen mehr Unbehagen als Fahrspaß bereitet haben.
Über breite Straßen und durch weit ausgedehnte Suburbs, die aber alle schon zur Stadt gehören, gelangen wir in die City und zur großen Gitter-Hängebrücke über den Brisbane River, die vom Baustil her an die Queensborough Bridge in New York erinnert.
Auf der anderen Seite rollen wir durch die Randbezirke von Chinatown. Es ist, jedenfalls das was wir sehen, keine ausgesprochen attraktive Stadt. Vielleicht kann unser Ausflug am Nachmittag das noch ein wenig korrigieren.
Nachdem wir vor einigen Tagen in Warwick zu absoluten Niedrigstpreisen getankt hatten, erwischen wir heute für das abschließende Volltanken vor der Rückgabe eine bis jetzt nicht erlebte Hochpreisregion: Sage und schreibe 40 Cent zahlen wir hier mehr als in Warwick und haben noch Glück mit einem Preis von 1,99 AUD für den Liter Diesel.
Wenige hundert Meter vom Vermieter entfernt stellen wir uns in einer Wohnstraße in den Schatten eines großen Baumes - bei 30° sehr vorteilhaft - und räumen alle Schränke und Fächer aus, verpacken alles soweit es eben geht in die Koffer und Taschen. 
Zwei prall gefüllte Müllsäcke fallen auch noch an, der ganze Rest, der übrig bleibt oder nicht mitfliegt.
Als wir zwei Stunden später bei MAUI auf den Hof fahren wird es spannend. Unser Fahrzeug hat ja doch einige Macken, so die in den letzten Tagen aufgetretene Unzuverlässigkeit der Automatik. 
Es gibt jedoch keine Rückfrage, die beiden Mitarbeiter sind total entspannt und ruckzuck ist alles erledigt. Der Wagen wird nicht kontrolliert, mit Abgabe des Schlüssels im Office ist für die Jungs die Abgabe vollbracht. Wir sind ein weiteres Mal froh uns das extra hinzu gebuchte All Inclusive-Paket gegönnt zu haben, mit dem die lästige und langwierige Reinigung am letzten Urlaubstag entfällt.
Schneller als gedacht sitzen wir somit in einem UBER-Taxi auf dem Weg zurück in die City. Das COSMO APARTMENT HOTEL liegt im Stadtteil Milton nahe am Fluss. Noch vor 15 Uhr sind wir dort. Der CheckIn besteht, so scheint es uns, vor allem aus Mahnungen, was alles in diesem Haus und auf unserem Zimmer verboten ist und uns bei Zuwiderhandlung mittels der eigens hierfür eingezogenen Kaution in Rechnung gestellt wird. Eine komische Art, Gäste zu empfangen.
Das Apartment ist großzügig mit gemütlichen Wohnzimmer und Küchenzeile sowie zwei Schlafzimmern und Bad. 
Wir stellen die Koffer ab und machen uns frisch. Ein wenig wollen wir zumindest hineinschnuppern in die drittgrößte Stadt des Kontinents.
Am Flussufer liegt eine Haltestelle für die den Fluss abfahrenden Schnellfähre. Die Fähre kommt halbstündlich. Das Ticketing funktioniert genauso mit Kreditkarte wie in Sydney, schnell, problemlos und mit 0,50 AUD für die Fahrt unschlagbar günstig.
Mit dem schnellen Katamaran brausen wir den Fluss hinunter. Wir stehen ganz vorne, die Gischt spritzt, Dazu ist es wieder herrlich warm - ein letztes Mal sommerliches Feriengefühl.
Die Fahrt geht unter verschiedensten Brücken hindurch, zu Füßen einer sehenswerten Skyline. Der Fluss macht einige große Bögen um die City, hier BCA "Business and Commercial Area" genannt, und schließlich unter der großen Gitterbrücke hindurch, über die wir vorhin gefahren sind.
Hier liegt die Anlegestelle "Howard Smith Wharves", an der sich ein toller Lookout auf Brücke und Skyline findet sowie eine vielseitige und bereits am Spätnachmittag gut besuchte Einkehrmeile. Diese hat vom Nobelrestaurant über eine mit rockiger Musik beschallten Terrasse mit Flusssicht bis zur riesigen Bierhalle einer Brewery alles zu bieten.
Wir haben Hunger und wählen ein weiteres Mal eine Filiale der bewährten "Betty‘s Burgers"-Kette.
Als wir wieder zurückfahren wollen, erweist sich das als schwieriger als geplant. Die ankommende Flussfähre hält aus welchen Gründe nicht in Milton und ist überdies so voll, dass nicht alle Wartenden mitfahren können. Auf Anfrage bei der Mitarbeiterin der Fähre meint sie dass innerhalb der nächsten 30 Minuten keine Fähre kommt die in Milton hält. Nicht alle Fähren sind unterwegs und die Fähren, die aktiv fahren, für Samstag Abend übervoll und ohne Gewähr dass man mitkommt. 
Nun müssen wir umdisponieren. Wir fahren mit einem Aufzug hinauf zu einer oberhalb des Flusses verlaufenden Straße, und Susanne ruft wieder einmal ein UBER-Taxi, das kaum fünf Minuten später eintrifft.
Bei der Fahrt zurück zum Hotel sehen wir nun auch die Straßen der City. Erinnerte uns Melbourne an Boston, so kommt mir hier in den Straßen eher die Assoziation von Philadelphia. Ein nüchtern-funktionaler Mix von alt und neu, ein wenig verlebt hier, ein wenig zu viel Beton dort. Die flussseitige Ansicht ist zweifellos die Schokoladenseite der Stadt.
Während der Fahrt fällt die Dunkelheit über die Stadt. Obwohl heute Mittsommernacht ist und damit der längste Tag des Jahres, ist es um 19 Uhr weitgehend dunkel. Für uns Sommerzeit-verwöhnte Mitteleuropäer eine kaum glaublich frühe Uhrzeit.
Zurück im Hotelzimmer wartet nun noch Arbeit auf uns: Alles muss jetzt in die Koffer passen, auch das, was wir in separaten Tüten ins Hotel transportiert haben. 
Gegen 22 Uhr und nach zwei letzten Bierchen ist alles gepackt. Der Rückflug kann kommen, wir fallen müde in die Hotelbetten.

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