Sonntag, 22. Dezember 2024

19. Dezember 2024 Lake Moogerah - Springbrook National Park

Egal was ich gestern Negatives über den Campingplatz geschrieben habe: Die Unruhe um uns herum war frühzeitig vorbei, und schon vor 21 Uhr herrschte Ruhe. Das war nicht immer so in den letzten vier Wochen.
Während des Frühstücks - wir können tatsächlich wieder draußen sitzen- kommt der Platzchef mit einem Pickup vorbei und hält kurz an, um uns zu informieren, dass der See heute für Boote und Schwimmer gesperrt sei. Er nennt auch den Grund dafür, leider so leise und schnell, dass wir nicht daraus schlau wurden weshalb der Seezugang heute nicht möglich ist. Bestimmt hängt es mit dem Unwetter gestern zusammen. Wir haben kein Problem damit, da wir heute weiterfahren. Aber die, die vor allem wegen dem See hier sind, werden umdisponieren müssen. Die Familie mit fünf Kindern gegenüber unserer Site, stand bereits fertig ausgerüstet für einen Angelausflug auf Papas Boot.
Was macht unser Camper? Susanne hatte heute früh wie durch ein Wunder einen Flecken Mobilnetz erwischt und bei einigen Campgrounds an der Küste nachgefragt, ob sie für diese Nacht noch Vakanzen hätten.
Mit bangem Gefühl starten wir den Motor und fahren die ersten Meter. Dann kommt die erste Steigung: Susanne gibt beherzt Gas, und die Automatik schaltet ordnungsgemäß herunter. Gott sei Dank!
Damit sind auch alle Überlegungen zu möglichen Alternativen hinfällig: Wir können nun doch zum Springbrook National Park fahren.
Durch das hügelige Hinterland, der Region zwischen Küste und Gebirgszug, rollen wir dahin und erfreuen uns am wieder zuverlässig rauf- und runterschaltenden Getriebe. An vielen Stellen sieht man Spuren des gestrigen Unwetters. Die Bäche sind vielerorts über die Ufer getreten und führen immer noch viel Wasser, Wiesen sind überschwemmt. An manchen Stellen wären wir gestern nicht durchgekommen, die vielerorts in Straßensenken angebrachten "Flood Marker", sie geben die Höhe einer Überflutung an, wurden gestern gebraucht.
In Beaudesert - bestimmt wird dieser Ort nicht so französisch ausgesprochen wie der Name verheißt - kehren wir auf einen Kaffee bei McDonalds ein, auch um über das dortige Free WIFI den nächsten Blog-Bericht hochzuladen. 
Südlich von Canugra wird es spannend: Zunächst sind Hochhäuser in der Ferne zu sehen. Anfangs halten wir sie schon für die Skyline von Brisbane, tatsächlich sind es die Hochhäuser der Gold Cost.
Außerdem nimmt die Straße Bergstraßencharakter an und führt kurvig entlang des Lake Advancetown Stausees. An dessen Ende biegen wir in eine kleinere Straße ein. Hier warnt ein großes Schild vor starken Steigungen und davor, dass sie für Wohnanhänger und große Fahrzeuge nicht geeignet sei. Genau an dieser Stelle kommt uns ein Lastwagen entgegen; wenn der die Straße schafft dann wir erst recht. 
Es geht wirklich steil bergauf, 17% zeigt ein Schild an. Unser Camper zuckt nur mit den Schultern und schaltet zwei Gänge zurück. Spätestens hier wäre mit den gestrigen Automatik-Problemen Endstation gewesen. 
Oben angekommen teilt sich die Straße, Richtung Springbrook wird es noch schmaler.
Aber auch hier oben wohnen Leute, kaum zu glauben, es gibt sogar eine Schule.
In den Nationalpark führt dann eine Stichstraße. Der wie in Nationalparks üblich sehr einfache Campground hat 12 Stellplätze an einer kleinen Sackgassenzufahrt mit Wendemöglichkeit am Ende. Wir finden eine passende Site, die eben und groß genug ist für uns. Jetzt noch den bereits daheim per PDF erhaltenen und ausgedruckten Erlaubnis-Tag an die Windschutzscheibe, Nummernschild eintragen und fertig. 
Nun wollen wir zum Wasserfall, deshalb sind wir ja hier. Eine knappe Viertelstunde gehen wir zu Fuß dorthin.
Die Purling Brook Falls ergießen sich über eine Felskante 105 Meter tief in eine Schlucht. Durch den vielen Regen gestern führen sie richtig viel Wasser. Ein beeindruckender Anblick.
Zum Fuß der Fälle führen zwei Wanderwege, die sich zum "Purling Brook Falls Circuit" zusammenfassen lassen. Diese zweistündige Rundwanderung mache ich alleine, ist das Gelände doch arg abschüssig und der Weg durch die Steilhänge angelegt. Der Weg führt nicht nur in die Schlucht hinab, sondern auch aus dem normalen Eukalyptuswald oben in den Regenwald unten. Bald umgeben mich wieder Palmen, riesige Farne und Schlingpflanzen. 
Unter einem kleineren Wasserfall muss ich direkt hindurch, ein erster Höhepunkt. Kurz darauf sehe ich einen Waran, etwa einen halben Meter groß, der auf einer Steinkante sitzt und sich für seine Größe sehr geschickt kletternd in ein Gebüsch verdrückt.
Ein kurzes Stück noch, dann bin ich unten in der dunklen Schlucht zu Füßen des Spektakels.
Hier ist der große Wasserfall mit aller Macht spürbar. Das Wasser donnert herunter, mit dem Druck des hinabstürzenden Wassers entsteht ein heftiger Wind, und über allem liegt ein dichter Schleier aus Gischt, so dass alles nass und glitschig ist. 
Soweit es möglich ist, mache ich einige Fotos, und stehe dann einfach nur da und genieße es.
Jedoch nicht allzu lange, denn ich bin schnell durchnässt.
Eine schmale Hängebrücke führt inmitten der Gischt und des Getöses über den rauschenden Fluss. All das macht aus der Wanderung ein richtiges Abenteuer.
Zwei Wegekurven später herrscht wieder heile Welt. Der Wasserfall ist wieder nur ein Rauschen im Hintergrund, die Sonne ist jenseits der Felswände wieder zu sehen und scheint friedlich durch das dichte Blätterdach.
Führte der Herunterweg über viele Stufen, geht es hinauf über einen schönen kaum steilen Wanderweg. 
Oben angekommen stehen einige Wallabys am Wegesrand. Sie sind viel scheuer als ihre größere Känguru-Verwandtschaft und springen schnell ab. Später werde ich mit Oskar noch einige anpirschen und fotografieren.
Wieder am Campground angelangt kommt mir Oskar mit einem Mädchen entgegen. Während meiner Wanderung haben Susanne und Oskar Kontakt gefunden zu einer deutschen Familie, die in einem mit unserem identischen Maui-Camper unterwegs sind: Diana, Christian und Emilia, die witzigerweise aus Peißenberg kommen. Die Welt ist ein Dorf.
Wir essen zusammen zu Abend, bis es dämmert und die Zikaden ihr Konzert anstimmen. Hier klingen sie anders als zuvor, aber nicht weniger laut.

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