Freitag, 20. Dezember 2024

18. Dezember 2024 Bald Rock National Park - Lake Moogerah

Nachdem es die halbe Nacht geregnet hat, können wir am Morgen dennoch draußen frühstücken. Wie schön dieser Campground ist, schön wie bisher nur wenige auf unseren Touren. Keine Nachbarn, die einem auf der Pelle hocken. Völlige Ruhe umgibt uns, nur einige exotisch klingende Vogelstimmen unterbrechen die Stille.
Bei der Fahrt aus dem Nationalpark heraus sehen wir wieder ein paar Kängurus, die heute aber deutlich schneller abspringen als gestern.
Richtung Norden führt die Straße nach Stanthorpe über ein erklägliches Stück Gravel Road. Dem wollen wir aus dem Weg gehen, daher müssen wir zunächst nach Tenterfield zurück.
Von dort aus geht es dann auf dem New England Highway wieder in die richtige Richtung. Wie schon gestern zeigt die Straße viele Spuren von Wildunfällen, deutlich mehr als die australischen Straßen zuvor. Laufen hier mehr Kängurus über die Straße? Fahren hier mehr Lastwagen abends und nachts?
Parallel zur Straße verläuft eine stillgelegte Bahnlinie. Die Trasse wächst zu, die alten Holzbrücken verrotten, manchmal hängen nur noch die Schienenstränge grotesk in der Luft. Traurig zu sehen, aber gegen den Highway hatte die kurvige kleine Bahn wohl keine Chance.
In Wallangarra überqueren wir die Grenze zu Queensland. Der "Sunshine State" begrüßt uns mit einer dunklen Wolkendecke und Regen.
Wir merken den neuen Staat zum einen am deutlich schlechteren Zustand der Straße, zum anderen an der Uhrzeit: 
Wir müssen die Zeit eine Stunde zurückstellen, denn in Queensland gibt es keine Sommerzeit.
Die letzten Kilometer bis Warwick wird die Straße zäh. Zu sehen gibt es nichts, breit und zum Teil schnurgerade wälzt sie sich langweilig dahin. 
In Warwick angekommen erwischen wir eine Regenpause und schlendern die Hauptstraße des sympathischen Städtchens hinauf. Die Bäume und Palmen sind weihnachtlich geschmückt, aus Lautsprechern läuft dezent Weihnachtsmusik, die Geschäfte zeigen einige Weihnachtsdekoration. Jeder ist freundlich, jeder scheint jeden zu kennen. Warwick erinnert uns an eine dieser typisch amerikanischen Kleinstädte, in der die vielen Highschool Filme spielen von FOOTLOOSE bis AMERICAN PIE, Michael J. Fox als HOLLYWOOD DOC könnte hier gestrandet sein oder JACK REACHER gleich aus dem Bus steigen.
Wir folgen der Restaurantbewertung von Google und nehmen Platz im "Bluebird Kitchen and Smokehouse", einem richtig coolen und guten Burgerbrater in den umgebauten Räumlichkeiten einer alten Tankstelle. Das Essen ist ausgezeichnet, das Ambiente passend, der Blick auf Umgebung und Leute interessant, ein guter Tipp also - highly recommended.
Auf dem Weg zurück zum Camper möchte ich bei ALDI noch eine Flasche Wein kaufen, jedoch gibt es dort keine Alkoholika. Sind die Supermärkte in Queensland trocken und der Alkoholverkauf nur auf die Liquor Stores beschränkt? 
Wir wollen nun eigentlich den Tourist Drive über Killearney nehmen. Kaum haben wir jedoch Warwick verlassen, setzt der Regen mit Macht wieder ein und steigert sich rasch zum Niveau Dauerwolkenbruch. Im Nu steht alles unter Wasser. Es bilden sich riesige Pfützen auf der Straße, durch die wir hindurchfahren müssen. 
Ohne dass wir es bemerken stört sich unser Camper scheinbar an den Wassermassen: Die Automatik läuft nicht mehr fehlerfrei, sie schaltet bei Steigungen nicht mehr zurück um wieder Gas zu geben, sondern bleibt im hohen Gang. Wir bleiben so an Steigungen fast stehen und sind so eher hinderlich im Verkehr. Wir können nicht herausfinden, woran das liegt; fest steht nur, dass uns so beim Gedanken, die vor uns liegende lange schmale Bergstraße über den Pass zu fahren, nicht wohl ist. Da sowieso alles in Wolken liegt und der Scheibenwischer Akkordarbeit verrichtet, fällt die Entscheidung leicht.
Also fahren wir die 32 Kilometer bis Warwick zurück und fahren von dort aus auf dem New England Highway weiter, bis sich der Cunningham Highway nach Brisbane abspaltet. Beides gut ausgebaute Fernstraßen. 
Auf dem großen Highway können wir auf ebener Strecke gut mithalten, bergauf werden wir mit unserer defekten Automatik bei zunehmender Steigung ein Verkehrshindernis. Blöd, aber nicht zu ändern. Es regnet dabei weiterhin in einer Tour.
Nach etlichen Kilometern haben wir wieder die Geländekante zwischen Highlands und Küstenland erreicht. Zum Regen gesellt sich jetzt noch Nebel hinzu.
Der Pass am Cunningham Gap bildet die höchste Stelle. Hier ist eine Großbaustelle eingerichtet, durch die bergauf und bergab der Schwerverkehr rollt. 
Nun windet sich die Straße in vielen Kurven bergab. Man merkt, dass dies eine Lebensader des australischen Verkehrs ist, hier gibt es keine Engstellen und Serpentinen, alles ist auf ein flüssiges Durchkommen ausgelegt, es gibt sogar bergab Überholstreifen.
Unten angekommen zerstiebt die Hoffnung, dass es nur im Hochland regnet. Auch hier hält der Starkregen an. Bäche sind über die Ufer getreten, ihre Durchlässe manchmal bis an den Fahrbahnrand überflutet. 
Wir müssen nun noch den Lake Moogerah umfahren, denn eine für Camper geeignete Zufahrt zu unserem an seinem jenseitigen Ufer gelegenen Übernachtungsort gibt es nur von Osten aus.
Dann liegt der See vor uns. Regenwolken versperren den Blick auf die dahinter liegende Gebirgskette. Um eine Bucht müssen wir noch herum, dann haben wir den "Scenic Rim Camping Lake Moogerah" Campground erreicht. 
Beim CheckIn regnet es noch, rechtzeitig zum Leveln an unserer ein wenig schräg angelegten Site hört der Regen endlich auf. Dies sei der nasseste Sommer seit mindestens zehn Jahren, meint die Frau im Office. Ja, wir haben uns Australien wettermäßig auch anders vorgestellt.
Zum paradiesischen Campground von heute morgen ist dieser das totale Gegenteil: Die Site ist trotz Seeblick hässlich, die Nachbarn nicht gerade leise, Autos fahren herum, und auf dem See drehen, kaum dass der Regen aufgehört hat, Jetski-Boote lautstark ihre Runden.
Bei einem kurzen Spaziergang über den Platz zeigt sich zumindest ein kleiner Regenbogen, und der Blick auf die nun sichtbaren Berge ist trotz aller Wolken auch nicht schlecht.
Kopfzerbrechen macht uns das Auto, neben dem Wetter entscheidend für eine Campertour. Unsere morgige Etappe zum wieder in den Bergen gelegenen Springbrook National Park mit seinen tropischen Wasserfällen können wir mit einem unzuverlässigen Camper jedenfalls vergessen. 
Da der heutige Campground mal wieder kein WLAN hat, können wir auch keine Alternativen planen. Was also tun? Und wohin? Entscheiden wir morgen.

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