Außerdem warnt ein weiteres Schild, dass aus dem Wasserhahn für heißes Wasser - moderne Mischbatterien finden hierzulande kaum Verwendung - tatsächlich heißes Wasser herauskommt. Wer hätte das gedacht?
Wir verlassen nun für einige Tage den Pazifik, denn die nach Norden folgende Region ist die "Gold Coast", ein Epizentrum des australischen Feriengeschehens mit einer oft verbauten und vor allem bereits in der Vorsaison weitgehend überlaufenen Küste. Was das bedeutet, hat uns der heutige Campground gezeigt, wenn die Enge und Fülle die Intimsphäre des Einzelnen auf ein Minimum reduziert und unmittelbaren Eindruck in das Familienleben der Platznachbarn ermöglicht, egal ob man will oder nicht.
Wir haben heute einen Beinahe-Pausentag vor uns, denn bis nach Jackadgery am Eingang zu mehreren Nationalparks liegt nur eine zweistellige Kilometerzahl vor uns.
Nach Grafton, der ersten Kleinstadt abseits der Küste, nutzen wir ein vorerst letztes Mal den Pacific Highway. Grafton bietet dem Besucher neben einigen alten Häusern im Stadtzentrum eine markante Doppelstock-Brücke - Straße oben, Bahn unten - über einen breiten Fluss.
Für uns ist allein das kleine örtliche Einkaufszentrum wichtig, in dem sich auch ein Woolworths befindet. Nach dem Einkauf können wir einem Sushi-Stand nicht widerstehen, eine willkommene Abwechslung nach den Sandwiches, dem vielen Weißbrot und Burgern, wenn man unterwegs einkehrt.
Richtung Landesinnere fahren wir 50 Kilometer auf dem Gwydir-Highway, eine Straße wie benannt nach einem Elben aus HERR DER RINGE. Einzige Abwechslung auf dieser völlig unaufgeregt durch endlose Eukalyptuswälder führenden Route sind einige entgegenkommende Lastwagen sowie das aufmerksame Ausschau-Halten nach Wildwechsel, vor dem hier mehrfach gewarnt wird.
Jenseits der Brücke über den Mann River liegt der Mann River Campground, in einem unserer Reiseführer empfohlen, dass "sich hier die Natur in vollen Zügen genießen lässt."
Wie dieser Platz in die Liste der Tipps und Empfehlungen kommen konnte ist uns jedoch völlig schleierhaft. Der Empfang durch zwei junge Frauen, die neben dem Campground Office auch die örtliche Tankstelle - die einzige in weitem Umkreis - sowie einen kleinen General Store betreiben, ist genauso unfreundlich wie beim Mail- Kontakt im Zuge der Reservierung. Bei der Anfrage zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung wird einsilbig auf einen Aushang mit einigen lieblos zusammenkopierten Informationen neben der Eingangstür der Tankstelle verwiesen; und die Frage nach WLAN wird mit ähnlich herablassender Nonchalance verneint als wenn man nach einem im Preis inkludierten Galadinner gefragt hätte.
Dass der auch ansonsten überaus durchschnittliche Platz kaum belegt ist, könnte vielleicht mit der sparsamen Freundlichkeit der Betreibenden zusammen hängen.
Der angesprochene Kontakt zur Natur besteht eigentlich nur aus einem direkten Zugang zum Fluss im unmittelbaren Schatten besagter Highway-Brücke und mehreren großen Bäumen, die den Sites willkommenen Schatten spenden. Derweil donnern auf der vor dem Platz verlaufenden Fernstraße die Lastzüge durch, in geringer Frequenz zwar, aber dafür Tag und Nacht und in der Abgeschiedenheit schon kilometerweit vorher hörbar. Natur pur hätten wir jedenfalls anders definiert.
Das fehlende Internet bedeutet für uns vor allem, dass wir mögliche Unternehmungen nicht planen können und jetzt hier ein wenig festsitzen. Da wir schon früh angekommen sind, haben wir jetzt viel Zeit. Im Swimmingpool des Platzes - neben dem Schatten sein einziges Highlight - verbringen wir einen Großteil des Nachmittags. Der Rest vergeht mit gemütlichen Kaffeetrinken, einem Eis aus dem lieblos wirkenden General Store und UNO-Spielen.
Oskar entdeckt irgendwann, dass am Baum neben unserer Site frisch geschlüpfte Zikaden heraufgeklettert sind. Sie häuten sich nun und trocknen nach dem Schlüpfen; diesen Prozess hatte uns unsere Platznachbarin in Hawks Nest erklärt. Die großen unbeweglich am Baumstamm klebenden Insekten - oder ihre zurückgelassen Hüllen, wir schauen da nicht genauer nach - sind schon ein klein wenig gruselig. Irgendwo müssen die Myriaden von Zikaden ja herkommen, die die Luft mit ihrem Zirpen durchdringen, hier wie anscheinend überall. Und am Abend wieder in voller Lautstärke.
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