Donnerstag, 19. Dezember 2024

15. Dezember 2024 Dorrigo - Red Rock

Himmlische Stille in der Nacht und am Morgen - herrlich. Nur einige Vögel beschimpften sich im Morgengrauen, danach war dann wieder Ruhe.
Es ist um acht Uhr schon so heiß, dass es sich in der Sonne kaum frühstücken lässt. 
Die hügelige Umgebung und der Mix aus Wald und Wiesen rund um den Platz erinnert uns an Virginia, wo wir auf einem ähnlich idyllischen Campground übernachteten.
Noch vor der heutigen Attraktion, dem Rain Forrest Walk im örtlichen Nationalpark, müssen wir noch ein dringendes Problem lösen: Das Dumpen ist wieder einmal fällig, und unser Campground hat bei aller Attraktivität keine eigene Dump Station. Es gibt lediglich den Hinweis, dass es im Ort in der Nähe des High School einen öffentlichen Dump Point gäbe. Diesen finden wir nach ein wenig Suchen. Danach kann der Tag beginnen.
In wenigen Minuten erreichen wir das Rain Forest Center, Mittelpunkt des Dorrigo National Parks.
Dieser bildet zusammen mit den umliegenden Nationalparks die "Central Eastern Rainforest Reserve of Australia". Diese Regenwälder sind etwas ganz Besonderes: Vor 15 Millionen Jahren kollidierte die australische mit der pazifischen Kontinentalplatte, wodurch Pflanzen aus Südostasien in die ursprünglichen Wälder Australiens „einwandern“ konnten. Zusammen mit der Wärme und den großen Niederschlagsmengen in den Gebirgen der Ostküste entwickelte sich in der Folge ein extrem vielfältiges Ökosystem. Diese Urwälder haben zwar nur 0,3 Prozent Anteil an der Gesamtfläche Australiens, beherbergen jedoch über 60 Prozent seiner Tier- und Pflanzenarten. Eine Artenvielfalt, die der UNESCO einen Welterbetitel wert war.
Hier im Nationalpark gibt es unter anderem einen kurzen Skywalk, eine Art Brücke über den Baumwipfeln, der einem Tag und Nacht einen Blick auf den in einer zerklüfteten Berglandschaft gelegenen Regenwald gewährt, einschließlich dem in der Ferne sichtbaren Pazifiks.
Im Visitor Center motiviert uns eine Park Rangerin, den "Wonga Walk Circuit" zu laufen, einen 6,2 Kilometer langen Rundwanderweg durch den Regenwald, den mir auch die australische Familie am Campingplatz gestern empfohlen hatte.
Schon wenige Schritte hinter dem Besucherzentrum treten wir in eine völlig andere Welt ein. Üppige Pflanzen mit großformatigen Farnen und riesigen Bäumen umgeben uns, fremde Vogelstimmen sind zu hören, und obwohl der Weg weitestgehend im tiefen Schatten verläuft ist es schwülwarm. Man spürt unmittelbar, dass man hier nur zu Gast ist.
Der Weg windet sich mit leichtem Gefälle hinab in ein Tal, an dessen tiefstem Punkt eine Brücke an einem kleinen Wasserfall vorbei führt.
Waren die allgegenwärtigen Zikaden bisher schon deutlich zu hören und wurden lauter mit jedem Meter, den wir heruntergestiegen sind, machen sie nun einen infernalischen Lärm, der im wahrsten Sinne des Wortes ohrenbetäubend ist. Man bekommt Kopfschmerzen von diesem tierischen "Krach", so dermaßen laut ist es.
Neben den zwar geräuschvollen aber für uns nicht sichtbaren Zikaden sehen wir viele Vögel, von denen einige eine gewisse Ähnlichkeit mit Truthähnen haben. Daneben gibt es Eidechsen zu sehen sowie als "Star" des Tages einen etwa dreiviertel Meter langen Waran, der vor uns auf dem Weg läuft, sich jedoch bei unserer Annäherung ins Unterholz verdrückt.
Jenseits des Wasserfalls müssen wir die herabgestiegenen Höhenmeter wieder hinauf. Das ist zunehmend anstrengend. Da kommt eine Picknickbank an einem Lookout mit Regenwald und Meerblick gerade Recht. 
Nach ein paar Minuten gesellt sich eine junge Frau hinzu. Es ist eine Abiturientin aus Zwickau, die für ein Jahr einen Work-and-Travel- Aufenthalt in Australien macht und den "Work"-Teil bereits hinter sich hat. Sie erzählt uns von ihrem Leben in Australien, in dem sie nun umherzieht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und dabei weitgehend in ihrem in Queensland gekauften Auto lebt. Wir haben allergrößten Respekt vor ihrem Mut und freuen uns mit ihr über alles, was sie so schon erlebt hat. Sie hat sich vor kurzem ein Surfbrett gekauft, das neben der Schlafmatratze auch noch in ihr "Wohn"-Auto passen muss und bringt sich jetzt autodidaktisch das Wellenreiten bei, "5 Sekunden klappen manchmal schon."
Ein Stück hinter dem Lookout führt eine Hängebrücke über einen kleinen Fluss, genau an der Stelle, an der er sich malerisch in einem schleierartigen Wasserfall über eine Felsstufe ergießt.  
Nach der Brücke wird der Weg zäh. Ein wenig reut uns nun unsere Spontaneität zu dieser Wanderung, zumal sich die weiteren Höhepunkte ein wenig in Grenzen halten.
Aber schlussendlich hat jeder Weg ein Ende, auch der "Wonga Walk Circuit"; wir sind nicht wenig erleichtert, vor allem da knapp 20 Minuten vorher ein Schild noch gesamt 40 Minuten bis zum Visitor Center prognostiziert hatte.
Über die Bergstraße des Waterfall Way mit ihren drei Engpässen geht es wieder hinunter in die Küstenebene. Zwar quälen sich hier auch Lastwagen bergauf und bergab, aber zum Glück erneut nicht in der Viertelstunde, in der wir hier heute unterwegs sind. 
Ab Bellingen nehmen wir den Pacific Highway, der uns rasch nach Coffs Harbour bringt, dem regionalen Zentrum. Die Stadt wird auch Bananatown genannt, denn hier in der Umgebung befindet sich eine der Hochburgen des australischen Bananenanbaus. 
Es sind zwar noch einige hundert Kilometer bis zum Wendekreis des Steinbocks, dem eigentlichen Beginn der Tropenzone. Aber schon hier ist ihr Klima deutlich spür- und für die Landwirtschaft nutzbar.
So ist denn auch die Hauptsehenswürdigkeit von Coffs Harbour "The Big Banana", eine übergroße Banane, die das Informationszentrum über den Anbau der gelben Südfrucht ziert. Beim Vorbeifahren erweist sie sich aber als kaum spektakulär; wir meinen beide, dass wenn dies die in jedem Reiseführer erwähnte Attraktion ist, wie vernachlässigbar muss Coffs Harbour ansonsten sein.
Bis zum Küstenort Red Rock ist es danach nicht mehr weit, nur noch ein großes Känguru unmittelbar am Straßenrand erschreckt uns.
Wir haben wieder bei der Reflections- Campingplatzkette gebucht, dem "Reflections Red Rock" Campground. Der Empfang im Office ist fast schon amerikanisch herzlich und wir erwischen eine Site in Strandnähe. Ansonsten ist der Platz einer der eher semi-optimalen. Er ist brechend voll belegt, die für einen Platz dieser Größe vorhandene Amenities- Infrastruktur ist eher überschaubar groß und zum Teil in hohem Grad sanierungsbedürftig; und auch das Publikum erscheint uns etwas einfacher als zuletzt. 
Dafür ist der Strand über jeden Zweifel erhaben: Kurz und bündig ist er ein weiterer Anwärter für den Titel "Bester Beach der Urlaubs".
Wir müssen dringend Wäsche waschen und sind daher dankbar für die freie Waschmaschine samt Trockner. Und auch das Spaghetti-Kochen klappt hier deutlich schneller als bei den vorherigen Plätzen. So können wir Pasta mit Pesto genießen, genau das richtige Gericht nach dem anstrengenden Tag.

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