Dienstag, 17. Dezember 2024

14. Dezember 2024 Goolawah Regional Park - Dorrigo

In der Nacht hat sich noch jemand mit Zelt auf die Fläche zwischen uns und dem Wohnwagen der Nachbarn gestellt. Wir haben das gar nicht mitbekommen. Als wir um halb acht die Campertür öffnen, ist er schon fast fertig, alles wieder in seinen 3er BMW zu packen; kurz darauf fährt er davon.
Unsere Nachbarn mit dem Wohnwagen ist eine Familie mit zwei Jungs, die genau wie wir die Zeit kurz vor dem Schuleintritt des Älteren noch einmal für Urlaub außerhalb der Ferienzeit nutzen.
Hier auf diesem kleinen Campingplatz scheint alles unheimlich vertraut und voller Vertrauen. Man lässt seine Sachen liegen und auch die Türen offen, selbst wenn man zum Strand geht. Uns wäre nicht ganz wohl dabei.
Wir fahren an diesem strahlend blauen Samstag wieder aus dem Regional Park heraus. Direkt öffnet sich ein weiterer Blick auf einen wunderschönen absolut einsamen Strand, an dem wir jedoch vorbei fahren.
Hinter Crescent Head führt der Tourist Drive, dem wir zunächst folgen, entlang eines kurvigen Flusses durch flaches Land weiter nach Norden. Diese Szenerie hat fast etwas Holländisches.
Wieder dem Meer entgegen wenden wir uns zum Hat Head National Park und dem gleichnamigen Ort an der Küste. Dies war ein Tipp von unserer Platznachbarin in Hawks Nest.
Wir folgen dem Hauptweg durch den Ort, der dann mitten durch einen Campingplatz führt, jedoch an einem kleinen Parkplatz mit wenigen Auto- und noch dazu voll belegten Parkplätzen endet. Daneben ist eine Bootsrampe, bei der die Parkplätze reserviert sind für "Boat Ramp User Only".
Wir wollen schon fast aufgeben, da entdecken wir nach Blick auf auf das Navi in einer Nebenstraße direkt hinter den Dünen den großen absolut leeren Parkplatz eines Segelclubs; hier stellen wir uns für eine Stunde hin und gehen zum Strand.
Dieser ist selbstredend mal wieder wunderschön; klares Wasser, sanfte Wellen, das Publikum ist für einen Wochenendtag im Umfeld eines großen Campingplatz absolut überschaubar. Oskar tobt wieder am Wasser entlang, ich kühle mich im Meer ab.
Nach dieser erfrischenden Pause, bei der wir mal wieder die Zeit vergessen haben, fahren wir weiter. Heute ist kein weiterer Strandort das Ziel, wir wollen heute noch in die Berge zum Dorrigo National Park, bekannt für seinen Regenwald.
Wir fahren wieder auf die Autobahn des Pacific Highway auf und tanken bald darauf auf dem Autohof in Nambucca Heads. Hier stehe ich für 10 Sekunden im Rampenlicht: Um an die Tanköffnung unseres Campers zu kommen, muss man die Beifahrertür öffnen. Ich lasse die Tür offen, führe den Tankstutzen ein, aber nicht passiert. Statt dessen tönt eine Lautsprecherstimme über die Großtankstelle, aus deren plärrendem Kauderwelsch im ersten Moment nur "...number twelve..." zu verstehen ist. Wir stehen an Zapfsäule 12. Und nun? Ein zu seinem Pickup gehender Mann klärt mich auf: "You have to close the door." OK, wenn sie das hier wollen, denke ich mir, schließe die Tür, und schon fängt der Diesel an zu laufen. Susanne fragt dann beim Bezahlen nochmals nach dem Grund. Die geöffnete Tür verdeckt die zweite Zapfsäule dahinter für die Überwachungskameras an der Kasse drinnen; aus Sicherheitsgründen und mehrfach schlechten Erfahrungen gibt es daher ohne klare Sicht auf alle Zapfsäulen keinen Sprit.
Ich bin jedoch nicht der einzige dem das passiert: Während wir nebenan bei McDonalds die bisher schlechtesten Burger unserer Tour essen, erklingt noch mehrfach die "Close the door"- Ansage - wenn man weiß was es heißt ist es sogar weitgehend verständlich; witzigerweise ist meist die Zapfsäule "number twelve" betroffen, wir müssen darüber schmunzeln.
Zurück auf der Autobahn rollen wir bis Bellingen - in dem Ort ist außer dem Namen nichts irgendwie deutsch - und dann Dorrigo und dem dunklen Gebirge entgegen. "Waterfall Way" heißt diese westwärts führende Straße, die durch saftiges Weideland führt.
Die Berge bilden hier wie auch schon weiter südlich die Abbruchkante eines Hochplateaus. Und wie schon weiter südlich führt auch hier eine kurvenreiche Straße hinauf. Diese ist trotz ihrer Bedeutung an mehreren heiklen Stellen nur einspurig ausgebaut. Diese sind jedoch übersichtlich gestaltet, Vorfahrt hat der Bergauffahrer, so dass sie gut zu fahren sind.
Die 762 Meter hoch gelegene Kleinstadt Dorrigo begrüßt einen als "RV friendly", das hört man als Wohnmobilfahrer gern, sowie als "Tidy Town Winner 2008" für New South Wales und macht tatsächlich einen sehr adretten Eindruck. 
Im Zentrum ist heute Weihnachtsmarkt, also in der australischen Version ohne Glühweinstände - wobei es interessant wäre zu erfahren, wie sich ein Glühwein bei 35° anfühlen würde -, wir können diesen jedoch umfahren und kommen schließlich zur "Dangar Falls Lodge", einem ein wenig rustikalen kleinen Campground direkt neben diesem Wasserfall. Die Rezeption ist verwaist, wir kennen jedoch unsere Site-Nummer und richten uns ein. Der Stellplatz ist ziemlich abschüssig, so dass erstmals die Level- Rampen zum Einsatz kommen, die Felix uns in Katoomba geschenkt hat. 
Von unserem Platz haben wir eine schönen Blick auf eine hügelige Wald- und Wiesenlandschaft. Es gefällt uns direkt sehr gut hier.
Oskar und ich gehen später hinüber zum Wasserfall. Von oben kann man ihn von einer Aussichtsplattform betrachten, wir gehen aber auch noch über einen Wald- und Treppenweg hinunter zum Fuß des Wasserfalls. 
Auf dem Rückweg kommen wir an einem Labyrinth vorbei, das Oskar dreimal ausgeht.
Beim Versuch, ob das Platzoffice, das laut Aushang eigentlich ab 17 Uhr wieder geöffnet sein soll, treffe ich eine Drei- Generationen-Familie, die sich den Platz für einen eventuellen späteren Besuch anschaut. Ich werde interviewt, wie mir Australien gefällt, was wir schon erlebt haben und auch wie wir mit der Sprache zurecht kämen. Da macht es natürlich Spaß, von unserer Alkoholkontrolle in Sorrento zu erzählen und von unserem "Where are you diving"- Missverständnis. Das sorgt für Heiterkeit und verständnisvolles Lächeln. Dass man die Menschen in New South Wales zwar immer noch schwer, aber trotzdem deutlich besser verstehen kann als die Einwohner in Victoria, füge ich dann noch hinzu. Das macht es wirklich einfacher.
In der einsetzenden Dämmerung schaut dann doch noch die Platzchefin vorbei. Sie hat ihre Buchungen offensichtlich im Kopf, denn sie begrüßt uns mit "Wie geht's?" Nach kurzem Smalltalk teilt sie uns dann noch das WLAN-Passwort mit, so dass wir wieder den Blog aktualisieren können.
Als es stockfinster ist drehe ich noch einmal eine Runde über den Platz; ich möchte eigentlich ein paar Fotos von der Milchstraße machen, so weit weg vom Lichtschleier der Zivilisation. Doch dann geht der Vollmond in aller Pracht auf und illuminiert den Himmel mehr als eine Großstadt. Nicht einmal das Kreuz des Südens kann ich entdecken.

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