Montag, 16. Dezember 2024

13. Dezember 2024 Seal Rocks - Goolawah Regional Park

Die Australier sind nicht nur coole Camper, sondern auch Frühaufsteher. Als wir um halb acht die Nase aus dem Auto strecken, rollen schon die ersten Pickups mit Wohnanhänger vom Platz; Kinder spielen bereits seit kurz nach sieben auf den Wegen.
Es wird schnell richtig heiß. Also lassen wir die Klimaanlage im Camper laufen, während wir draußen frühstücken.
Nebenan packt ein junges Pärchen mit Kleinkind seine Siebensachen. Wir fragen uns, wie die komplette Campingausrüstung bestehend aus Zelt, Sonnenverdeck, Gasgrill, Tisch und Stühle sowie Spielzeug und Babyausstattung in und auf ihren VW Golf passen soll; das Ganze gleicht einem vergeblichen Tetris-Spiel. Wir hatten gestern schon kurzen Kontakt zu den beiden. Sie kommt aus Melbourne, er aus Hamburg. Klassische Auswanderergeschichte, denken wir uns. Doch weit gefehlt: Sie erzählt uns, dass sie bald nach Europa gehen werden, dem Job des Mannes folgend. Wobei "Europe" hier wohl Deutschland heißen wird, denn sie schwärmt vom Schwarzwald und von den Alpen, während er zurück nach Hamburg möchte.
Wir fragen sie dann noch, was es mit den allerorten stehenden weihnachtlichen Telefonzellen-Werbungen "Free calls to Santa" auf sich hat. Ja, antwortet sie, wenn man dort anruft, würde man durchgestellt und es würde sich tatsächlich jemand melden: "Hello, this is Santa Claus. What's your name?" Eine tolle Sache, finden wir. Wieviele Kinder werden sich dort wohl melden? Wieviele Wunschzettel werden durchgegeben? Und wie viele auch Erwachsene sich wohl der Illusion hingeben, allein weil es so schön ist?
Auch heute früh riecht es wieder sehr seltsam am Strand. Also lassen wir ihn trotz seiner Schönheit auch heute aus und fahren direkt los.
Es geht weiter nordwärts. Zunächst am Seven Mile Beach und dem Booti-Booti National Park vorbei, dann zur Doppelstadt Forster und Tuncurry, die eine 631 m lange Brücke miteinander verbindet. Diese überspannt den Cape Hawke Harbour auf dem Weg zum Wallis Lake. Der Ausblick auf das in der Sonne azurblau leuchtende Wasser und die weißen Sandbänke und Inseln des Hafens ist sehenswert.
Der Einfachheit halber nehmen wir dann wieder für ein kurzes Stück den Pacific Highway, dem immerr noch weit entfernten Brisbane entgegen. 
In Lakewood halten wir zum Obst-, Brot- und Weineinkauf bei Woolworths. Während wir durch die Regale schlendern, läuft LAST CHRISTMAS von Wham. Eigentlich bin ich kein wirklicher Fan dieses Liedes; aber es hier in Shorts und Badeschlappen inmitten skuril-sommerlicher Weihnachtsdeko zu hören ist ein echter Gute Laune-Knaller. 
Die Ocean Route nach Port Macquarie stellt sich als enttäuschend heraus. Außer einer Brücke über einen Inlet-Abfluss und einem kurzen Blick auf lange Strände verläuft die Strecke stets durch Wald und Dünen abseits vom Meer. Nirgends gibt es einen "Beach Access", nirgends eine Blick aufs Meer.
Zudem haben sich inzwischen einige Gewitterzellen gebildet, die rapide an Volumen gewinnen und den Himmel über uns nach und nach abdunkeln.
Als wir in der alten Sträflingsstadt Port Macquarie ankommen, ist die Sonne verschwunden. Nach einer unfreiwilligen kleinen Runde durch den vernachlässigbar „hübschen“ Ort finden wir die einzige Sehenswürdigkeit: Den Lighthouse Beach mit dem kleinen auf einem Felsen darüber liegenden Tacking Point Lighthouse. Solange es noch nicht regnet gehen wir an den Strand. 
Mich zieht der Leuchtturm an. Zu ihm führt eine hölzerne Treppenstiege vom Strand hinauf. Oben wird die Zufahrt neu angelegt, alles ist abgesperrt. Da jedoch scheinbar auch in Australien Baustellen bereits ab Freitag Mittag verwaist sind, kann ich mit ein wenig Einsatz die Absperrung überwinden und steige ganz hinauf.Das niedliche kleine Leuchthaus von 1879 - Leuchtturm wäre angesichts der Größe ein wenig übertrieben - ist weiß getüncht und sieht insgesamt beinahe Griechisch aus. Die Aussicht von hier oben ist natürlich klasse, ganz klein kann ich Susanne und Oskar unten am Strand sehen. 
Zurück am Parkplatz hält hinter uns ein Polizeiwagen, und eine Polizistin kommt auf uns zu. Zunächst vermuten wir, dass wir angesprochen werden, weil unser Camper die für den Parkplatz geltende Längenbegrenzung von 6 Metern überschreitet; dummerweise parken wir auch noch exakt vor dem entsprechenden Schild. Aber sie möchte lediglich wissen, ob wir bei einem anderen auf dem Parkplatz stehenden Auto eine Frau hätten aussteigen sehen. Das müssen wir verneinen, die Polizistin wünscht uns daraufhin einen schönen Tag und geht zurück zu Ihrem Fahrzeug und ihrem wartenden Kollegen. Zum zweiten Mal Polizei-Kontakt in diesem Urlaub. Zum Glück haben wir die Frau gut verstanden. Aber vielleicht sahen wir vor unserem offensichtlich als Leihwagen erkennbaren Maui-Camper auch so touristisch aus, dass sie sich Mühe gegeben hat.
In der Stadt gibt es wohl mehrere Koala- Kolonien, zumindest sind viele Straßen mit den bekannten Koala-Warnschildern markiert. Wir fahren vorsichtig durch diese Zonen.
Auch auf der Autobahn ist für die kleinen Beuteltiere gesorgt: Die Fahrbahnen sind mancherorts oberhalb von einer Seite zur anderen mit zu Schläuchen geformten Gittern überspannt, auf denen die Koalas die Autobahn von Baum zu Baum überqueren können.
Zum Pazifik führt von der M1 wieder eine Landstraße, die wir in Crescent Head verlassen und auf einer schmalen Stichstraße nach Süden verlassen. Diese führt in den Goolawah Regional Park, direkt an der von Felsen und Dünen geprägten Küste gelegen.
Der kleine Delicate Campground gehört zum Naturschutzgebiet und ist entsprechend rustikal. Es gibt auf ihm grob erkennbare Stellplätze, Toiletten und eine kalte Dusche, das wars; kein Strom, kein Wasser, WLAN oder Netzabdeckung schon gar nicht.
"Booking required in advance" steht am Eingang; und tatsächlich wird dies am späten Nachmittag von einem Parkranger kontrolliert. 
Familien mit Kindern sind die vorherrschenden Gäste; es scheint, dass sich hier Familien oder Freundeskreise zum gemeinsamen Camping zusammengeschlossen haben. Die Stimmung ist jedenfalls gänzlich anders als heute Morgen in Seal Rocks.
Unser erster Spaziergang zum nahen Strand fällt angesichts des Windes und der dicken Wolken sehr kurz aus, einmal ist in der Ferne sogar ein Donner zu hören. So machen wir es uns am Camper gemütlich.  
Am frühen Abend klart es auf, die Wolken werden allmählich dünner und langsam in Richtung Meer geschoben. 
Oskar und ich gehen nochmal an den Strand. Nun ist die Stimmung hier viel freundlicher, und die niedrig stehende Sonne sorgt für ein wenig warmes Licht.

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