Heute haben wir einen gemütlichen Tag vor uns, bis Seal Rocks ist es nicht weit.
So parken wir den Camper nach dem CheckOut kaum 100 Meter vom Campingplatz entfernt direkt am Strand. Es ist herrlich warm und immer noch kaum etwas los, die wenigen Menschen verteilen sich großzügig auf der weiten Fläche.Der Pazifik ist vergleichsweise zahm, so dass ich zum ersten Mal im Meer baden gehe.
Danach fahren wir, nach wenigen Kilometern im Landesinneren, an den nächsten großen Lagunenseen vorbei. Myall Lake - der dem örtlichen Nationalpark seinen Namen gibt -, Smiths Lake und Wallis Lake.
Hier sind wir eigentlich schon auf der morgigen Etappe unterwegs, wir wollen jedoch noch einen zweiten Strand-Stopp einlegen und fahren deshalb weiter bis zum Seven Miles Beach im Booti- Booti National Park.
Waren die Strände bisher schon oft außergewöhnlich, ist dieser hier einfach nur phantastisch. Makellos verläuft die Strandlinie in weitem Bogen von Nord nach Süd, das Meer ist von einem perfektem Blau und schickt fotogene Wellen ans Ufer. Außer uns ist niemand da, wir haben diesen göttlichen Flecken Erde ganz für uns alleine; erst kurz bevor wir wieder aufbrechen, kommt ein Angler hinzu, positioniert sich aber 100 Meter von uns entfernt.
Es ist einfach unfassbar schön hier. "Mit diesem Strand muss sich ab jetzt jeder andere Strand messen. Wer dies hier gesehen hat, ist für immer verdorben", sage ich zu Susanne, die zustimmend nickt. Oskar baut mit Akribie Sandburgen, die immer wieder von den Wellen weggewischt werden und spurlos verschwinden. Auch unsere Fußabdrücke sind nach einer Welle wie ausgelöscht - man könnte fast philosophisch werden.
Irgendwann müssen wir aber weiter beziehungsweise wieder zurück und brechen auf, aber dieser Strand wird sich für immer in der Erinnerung festsetzen.
Es geht nun einige Kilometer zurück bis zum Abzweig nach Seal Rocks, unserem heutigen Ziel. Die Straße dorthin führt erst kilometerlang durch die obligatorischen Eukalyptuswälder, dann geht es kurz steil bergab und wir sind wieder am tiefblauen Meer, dazu dunkle Felsen und heller Sand; ein echter Wow-Effekt.
Auch hier liegt unser Campground, der Seal Rocks Reflections, direkt am Strand, der sich in einer leicht felsigen Bucht erstreckt. Es könnte wunderbar idyllisch sein, wenn nicht über allem ein durch den Schlick am Strand verursachter leicht kloake-artiger Geruch liegen würde. Diesen Strand lassen wir, so schön er ist, gerne aus.
Dem australischen Camperleben tut das seltsame olfaktorische Ambiente keinen Abbruch. Dies ist der erste Campground seit langem, der wieder ordentlich voll ist. Kinder laufen umher oder fahren Fahrrad, die Eltern sitzen vor ihren Wohnwagen oder Zelten, gerne im Schatten großer Partyzelte, bestens ausgerüstet mit Gasgrill, Kühlboxen und allem anderen, was man als Camper so braucht.
Nach einer Pause mit Eis aus der Kühltruhe vom Office wollen wir noch zum ganz auf der Spitze der felsigen Landzunge gelegenen Sugarloaf Point Lighthouse fahren. Die Straße wird jedoch oberhalb einer herrlichen Badebucht sehr eng und damit zu schmal für uns. Hier trennen wir uns: Susanne, der Hitze und Sonne heute ein wenig zu schaffen machen, und Oskar fahren wieder zurück zum Campingplatz, ich mache mich auf zu einer Spätnachmittagswanderung zum Leuchtturm.
Zu diesem ist es noch ein gutes Stück zu gehen, auch vom letzten Parkplatz aus. Einen ersten Blick auf das Ensemble aus Leuchtturm und Leuchtturmwärterhaus habe ich von einer kleinen Düne am Waldrand aus.
Dann bringt mich der Weg direkt an das Lighthouse heran.
Dann bringt mich der Weg direkt an das Lighthouse heran.
Dieses wurde 1875 hoch über dem Meer errichtet, um vor denen der Küste vorgelagerten Seal Rocks zu warnen, berüchtigte und oft sturmumtoste Klippen vor der Küste, die schon diverse Schiffsunglücke verursacht hatten. Eine Inschrift in sperrigem Englisch erinnert an die durchwachten Sturmnächte, in denen der Leuchtturmwärter Ausschau hielt: "Many's the night a lightkeeper at Sugarloaf Point must have looked out to sea and been glad of the dry land under his feet."
An Punkten wie bei diesem heute so idyllischen Leuchtturm ist man den Urgewalten und Schicksalen des Meeres sehr nahe.
Zurück am Campingplatz kommt bald starker Wind auf. Dieser vertreibt den lästigen Geruch, macht aber ein Abendessen draußen unmöglich. Viele Australier sind offensichtlich härter gesotten als wir, sie trotzen dem Sturm und sitzen weiter an der frischen Luft.
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