Irgendwie hat sich bei uns der Gedanke festgesetzt, in Sydney noch eine Stadtrundfahrt zu machen, um noch etwas mehr von der Stadt gesehen zu haben als „nur“ Oper, Brücke und Fährhafen; die initiale Idee dazu kam von Oskar, der Doppeldeckerbus fahren möchte.
Einen halben Tag können wir uns dafür spontan noch Zeit nehmen, auch weil das Wetter heute Vormittag exzellent vorausgesagt ist.
In der letzten Nacht hatten wir beim Schlafen gehen noch ein wenig Aufregung: Der Netzstrom im Camper war plötzlich aus. Wir merkten dies daran, dass sich Handy und Co nicht mehr aufladen ließen; der Kontrollblick auf die Ladeanzeige zeigte: Wir haben nur Batteriestrom. Schnell ausgerüstet mit Taschenlampe kontrollierte ich im Regen das Stromkabel. Komischerweise war es nicht mehr in der Steckdose, wer weiß warum, vielleicht ein Kollateralschaden der Geburtstagsfeier auf der Nachbarsite. Also Kabel rein, Verbindung steht, Strom jedoch weiter aus. Was könnte das sein? Susanne hat das Camper-Handbuch auf dem Handy, wir recherchieren mögliche Ursachen. Ich krieche unter Oskars Bett, der schon schläft: Der Hauptschalter ist auf ON, aber die Sicherung daneben scheint auf OFF zu stehen, da komme ich aber nicht dran. Am Morgen ist es dann nach dem Zusammenklappen des Bettes ein Handgriff, Sicherungsschalter auf ON, und schon läuft es wieder. Puh, nichts Schlimmes also.
Da wir heute morgen auschecken und den Campingplatz verlassen müssen, stellen wir den Camper wieder an die Straße nahe der Bushaltestelle. Wir bekommen den letzten Parkplatz, denn am heutigen Sonnen- Sonntag ist hier in Strandnähe bereits um 9 Uhr viel Betrieb.
Bus nach Manly und Umstieg zur Fähre, alles wie gehabt und bewährt, nur diesmal bei strahlendem Sonnenschein und mit Ferienfeeling.
Die Annäherung an eine Stadt mit einem Schiff, noch dazu wenn es normales Verkehrsmittel ist, macht auch bei der erneuten Wiederholung riesig Spaß.
Im Hafen fährt ein großes Schiff, es wird von drei Schleppern unter der Harbour Bridge hindurch geführt. Am Kai des Overseas Passenger Terminal liegt wie gestern ein riesiges Kreuzfahrtschiff zum Tagesaufenthalt. Wir blicken an den endlosen Reihen Balkone entlang, die sich viele Decks hoch übereinander stapeln. Wie viele Tausend Passagiere da wohl mitfahren? Für uns wäre das nichts...
Gleich am Anlegekai ist ein Büro für die Stadtrundfahrt, wir kaufen die Tickets bei einem Auswanderer mit Berliner Akzent. Das erleichtert die Entscheidung, welche Tour wir machen, enorm, vor allem weil viele Australier schlechter zu verstehen sind.
Die Rundfahrt ist ein voller Erfolg. Wir fahren durch die moderne Innenstadt mit ihren Hochhäusern, fahren vorbei an Kirchen, Museen, repräsentativen Gebäuden und Parks.
Im Szeneviertel Kings Cross kommen wir an der ikonischen Coca Cola-Werbung vorbei, angeblich eines der Insider- Sehenswürdigkeiten der Stadt.Danach sehen wir Szeneviertel, eine Straße voller Art Déco-Gebäude, alte und neue Geschäftszentren und Stadtviertel mit abgenutzten Bauten oder in neuem Glanz, die Marinebasis, die Bibliothek und vieles mehr.
Wie immer bei solchen Fahrten erhält man jede Menge Informationen, von denen man hofft, zumindest einen Teil in Erinnerung zu behalten.
Sydney ist eine interessante lebendige, gleichzeitig geschichtsträchtige und junge Stadt, die gewiss lohnt, noch länger zu besichtigen. Es hat uns hier sehr gut gefallen. Leider liegt es nicht um die Ecke.
Als wir auf der Fähre nach Manly sind und zurückschauen, die Skyline kleiner wird und wir die letzten Blicke auf Opernhaus und Harbour Bridge werfen, werden wir sentimental und nehmen mit einem wehmütigen Auge Abschied von Sydney. Auch weil es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass wir nochmal wiederkommen werden.
Zurück am Camper steht uns nun eine zweieinhalbstündige Fahrt bevor, reisen wir doch heute noch in die Blue Mountains weiter. Bereits während der Stadtrundfahrt hatte es sich wieder etwas zugezogen, jetzt ist alles grau in grau, die Sonne hat sich für heute empfohlen.
Quer zu den üblichen Fahrtrichtungen rollen wir durch die nördlichen Randbereiche der Stadt, bis wir endlich auf den Western Motorway auffahren. können.
Dieser bringt uns dann zügig an den Fuß der Blue Mountains, und seine Verlängerung, der gut ausgebaute Great Western Highway in die Berge hinein. Je höher wir kommen, desto mehr nähern wir uns den niedrig hängenden Wolken, bis wir schließlich im Nebel unterwegs sind.
Der Dunst sei nach dem Regen normal, meint die Chefin des Katoomba Falls Tourist Parks, für morgen und übermorgen wäre der Wetterbericht freundlich gestimmt. Das hört sich gut an, zudem gefällt uns der kleine Campingplatz auf Anhieb, und wir haben wieder eine En Suite-Site. Also entscheiden wir uns spontan, hier zwei Nächte zu bleiben.
Was wir gleich merken: Es ist deutlich kühler auf 1.000 Meter Höhe. Mit dem Nebel zusammen wird das unangenehm. Daher soll es heute wieder Nudeln geben. Während ich auf dem diesmal deutlich leistungsfähigeren Herd der Campground Kitchen das Abendessen koche, macht Oskar eine schöne Entdeckung: Er trifft Kathrin und Felix aus Berlin wieder, die Susanne und er vor zwei Wochen auf dem Campingplatz in Port Campbell an der Great Ocean Road kennengelernt hatten. Die beiden sind auf einer Weltreise durch Südafrika, Neuseeland, Australien und geben übermorgen ihren Camper ab, bevor es im Norden Australiens weitergeht und anschließend noch nach Singapur und Thailand. Spontan beschließen wir, gemeinsam im Schutz der Markise ihres Campers zu Abend zu essen. Während ringsum Nebelfeuchtigkeit und leichter Nieselregen niedergeht, sitzen wir zwar kühl aber trocken und mit sehr angenehmer Gesellschaft bis spät in die Nacht.
Die Wettervorhersage für morgen und vor allem die Angaben wann es regnen soll, ändert sich stündlich. Wir vertrauen da lieber der Aussage der Platzchefin und freuen uns auf morgen.
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