Donnerstag, 12. Dezember 2024

07. Dezember 2024 North Narrabeen - Sydney - North Narrabeen

In der Nacht hat sich das Gewitter dann auch auf dem Campingplatz entladen und geht anschließend in Dauerregen über. Wir frühstücken indoor, lassen es ruhig angehen und fahren dann mit dem Camper vor bis a die Hauptstraße, um uns zu Beginn des zweiten Sydney-Tages einen Regenmarsch zu ersparen.
Heute ist die Busfahrt ein wenig zäher, weil die separate und somit schnelle Bus Lane am Wochenende nicht freigehalten wird. Parkende Autos verhindern somit ein zügiges Durchkommen. 
Genau wie gestern bekommen wir den direkten Anschluss a die Fähre. Nur müssen wir diesmal innen sitzen, da der Regen auf das Deck und an die Scheiben klatscht. Dementsprechend unglamourös fällt auch die Vorbeifahrt am Opernhaus aus.
Wir überlegen, was wir jetzt machen. Eine Regenplanung für Sydney haben wir nicht vorbereitet. Schien uns nicht notwendig.
Einziger fixer Programmpunkt ist mein Geburtstagsgeschenk: Wir machen heute Nachmittag eine Fahrt mit einem amerikanischen Sportwagen. Wobei dafür der Regen zumindest pausieren muss.
So schlendern wir unter den Regenschirmen an der Hafenpier entlang bis zum Opernhaus. Dieses sollte nach der Grundidee aus den 40er Jahren als repräsentatives Gebäude umgesetzt werden. Die Ausschreibung gewann 1957 der dänische Architekt Jørn Utzon.
Die Bauphase führte dann jedoch in eine Reihe der Skandalen ähnlich denen der Hamburger Elbphilharmonie. Der ursprünglich angesetzte Baupreis wurde um das Fünfzehnfache überzogen, die Fertigstellung konnte nur mit Hilfe einer eigens dafür ins Leben gerufenen Lotterie realisiert werden. Der Entwurf musste des Öfteren an neue Realitäten angepasst werden, was den Bau enorm verzögerte. Allein die komplexe Geometrie am Dach wurde in sechs Jahren über zwölfmal neu entworfen.
Die steigenden Baukosten, aber auch künstlerische Differenzen führten zum Zerwürfnis zwischen der federführenden Regierung von New South Wales und dem Architekten. Schließlich wurden Utzon die Gelder gesperrt und er konnte seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Daher verließ er 1966 seine Baustelle und setzte nie wieder einen Fuß auf australischen Boden.
All das führte dazu, dass sich der Fertigstellungstermin von 1963 um zehn Jahre verschob, bis Königin Elisabeth II. das Haus am 20. Oktober 1973 einweihen konnte. Es wurde zu diesem Anlass jedoch keine Oper aufgeführt, sondern die 9. Sinfonie von Beethoven mit der "Ode an die Freude". Diese überwiegt seitdem; die Skandale sind längst vergessen, und das einmalige Opernhaus von Sydney ist eines der Wahrzeichen Australiens.
Wir wären gerne auch in das Gebäude hineingegangen, gelangen jedoch nur bis ins Foyer und können so nur einen kleinen Eindruck vom Inneren des Hauses bekommen. 
Also schlendern wir auf dem überdachten Sub Concourse wieder zurück Richtung Fährhafen, kehren dabei ein zu Muffins und Kaffee. Ein weiteres Mal ist der australische Kaffee ungenießbar stark, selbst wenn man reichlich Wasser hinzugibt, wird er nicht besser.
Inzwischen hat sich Keith, unser Oldtimerfahrer, gemeldet. Er ist für das Wetter am Nachmittag optimistisch; wir verabreden uns daher mit ihm um viertel nach drei am Dawes Point, beinahe direkt unterhalb der Harbour Bridge.
Dort wartet er dann mit seinem 1966er Ford Mustang Cabrio. Nach freundlicher Begrüßung und kurzen Problemen beim Adaptieren des Kindersitzes an Oskars Größe kann es losgehen. Leider muss das Verdeck zu bleiben, da es immer noch regnet.
Schon von außen ist dieses Automobil außergewöhnlich. Startet jedoch der Motor und beschleunigt mit unvergleichlichem Röhren, kommt einem spontan Steve McQueen und seine legendäre Verfolgungsjagd in BULLIT in den Sinn. Irre.
Zunächst fahren wir über die Harbour Bridge, wieder ein spektakuläres Erlebnis.
Noch eindrucksvoller ist ein langer Tunnel des Freeways. Hier bereitet das Röhren des Motors besonderes Vergnügen, und Keith reizt das mehrmals aus. Die Verbindung aus Motorgeräusch der 350 PS-Maschine und dem von der ungeheuren Beschleunigung in den Sitz gedrückt werden lässt Oskar vor Freude juchzen und das Geburtstagskind strahlen.
Wir fahren hinaus nach Woolwich. Hier prägen mächtige Bäume und Villen das Straßenbild. "Pretty good neighbourhood" bemerke ich. "Sure", antwortet Keith, "but very very expensive". Kate Blanchett wohne hier, das freut uns, die mögen wir beide sehr.
Am Fähranleger Hunter’s Hill machen wir eine kurze Pause, der Blick zur Skyline von Sydney auch von hier sehr schön. Auch ist hier Zeit für das Erinnerungsfoto, pünktlich kommt die Sonne hervor. Für das Bild öffnet Keith sogar das Verdeck, schließt es jedoch zu unserer Enttäuschung gleich wieder. Das Wetter ist ihm wohl weiterhin nicht sicher genug. 
Über die ANZAC-Bridge, eine moderne Hängebrücke, fahren wir wieder auf das südliche Ufer und zurück nach Downtown.
Was ihn a den alten Autos fasziniert, frage ich ihn, immerhin hat er eine Sammlung von 5 fahrbereiten und 15 zur Zeit nicht straßentüchtigen Wagen. "It's the sound, of course", lautet die Antwort, "and the directness between street and driver, no modern technology inbetween." Die neuen Systeme würden viele nur zu riskanterem Fahren verleiten; hier müsste man genau wissen was das Auto kann.
Keith lässt uns in der Nähe des Fähranlegers aussteigen und fährt davon davon, das Röhren ist noch einem Block später zu hören. Was für eine tolle Fahrt.
Am Pier nehmen wir wieder die Fähre nach Manly und kehren nochmals bei BETTY'S BURGER ein. Nebenan im vollbesetzten THE BAVARIAN läuft englischsprachiger Schuhplattler-Sound; hier kann sich man sich als Australier schon mal fürs Oktoberfest vorbereiten.

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