Sonntag, 8. Dezember 2024

04. Dezember 2024 Shoalhaven Heads - Bulli Beach

Der Campground in Shoalhaven Heads führt ein striktes Zeitmanagement. Bisher war es so, dass die Betreiber der Campingplätze zwar 10 Uhr als CheckOut-Zeit vorgegeben, dies aber mehr lax gehandhabt haben. Hier wird einem schon bei den Infomaterialien klar mitgeteilt, dass 10 Uhr die späteste Zeit sei, bei der man durch die PIN- geschützte Ausfahrt durchkäme, danach ist der PIN nicht mehr gültig. Und sprachlich geschickt wird in den Regeln nachgeschoben: "If you want to discuss a later checkout please contact us.“
Auf diese Diskussion haben wir keine Lust und fahren trotz gemütlichem Frühstück vor dem Camper und Besuch der Dump Station um exakt Punkt 10 Uhr durch das Tor - mit spannender Erwartung ob sich die Schranke noch öffnet. 
Heute machen wir eine Fahrt ins Landesinnere, soweit man das bei der riesigen Landmasse Australiens sagen kann, wenn man sich kaum 100 Kilometer von der Küste entfernt. Nach dem Tanken in Nowra wählen wir die Tourist Route nach Kangaroo Valley. Diese führt, kaum dass wir den Princes Highway überquert haben, ins bergige Hinterland. Viele Kurven sind zu befahren, es geht ordentlich bergauf. Schilder warnen, dass Lastwagen in den Kurven mehr Platz brauchen als üblich. Dann versperrt uns eine Baustellenampel den Weg. Eine gefühlte Ewigkeit Geduld ist erforderlich, bis es weitergeht. Die Baustelle zieht sich bis zur Passhöhe hinauf, wo wir auf ein kleineres Sträßchen in Richtung eines Lookouts einbiegen. Dorthin führt dann eine kleine Stichstraße, die uns jedoch zu eng erscheint für unseren Camper. Also drehen wir, müssen an der Einfahrt in die Passstraße erneut für die Baustellendurchfahrt anhalten, bis wir endlich ins Kangaroo Valley abfahren können. Auf den nächsten Kilometern werden wir in kurzern Abständen von drei Polizei- und einem Notarztwagen überholt, für Oskar natürlich eine echte Schau.
Die Ortschaft Kangaroo Valley selbst ist ein echtes Schmuckstück. Entlang der Hauptstraße stehen viele schöne Häuser und Geschäfte.Direkt hinter dem Ort steht eine besondere One Lane Bridge in Form einer mächtigen Hängebrücke. Da sie auch für schwere Lastzüge zugelassen ist - freilich nur einzeln - ist die Überfahrt mit dem Camper kein Problem, trotzdem erscheint es ins ein wenig abenteuerlich.
Jenseits der Brücke beginnt eine weitere Passstraße, die in die Highlands führt. Leider kommen wir auch hier nicht ohne Verzögerung weiter. Ohne erkennbaren Grund kommt der Verkehr zum Erliegen und staut sich bergauf, nichts geht mehr, es kommt uns auch niemand mehr entgegen. Hat die Stockung womöglich etwas mit den vielen Einsatzfahrzeugen vorhin zu tun? Ein Unfall womöglich?
Bis sich die Autoschlange wieder in Bewegung setzt ist schließlich mehr als eine halbe Stunde vergangen. Langsam rollen wir den Berg hinauf. Außer einem Kleinlaster, der mit einem Streifenwagen in einer Ausbuchtung steht, ist nicht zu erkennen, was den Stau verursacht hat. Zum Glück kein Unfall, denken wir uns.
Am Ende der steilen Straße geht es eben weiter, wir haben ein Hochplateau erreicht. Milton National Park zeigt ein Schild, und kurz darauf haben wir den Parkplatz der Fitzroy Falls erreicht.
Hinter dem Visitor Center sind noch 200 Meter zu gehen, dann stehen wir am ersten Lookout direkt am Abgrund eines tiefen mit dichtem Wald bewachsenen Canyons. Neben uns fällt der kleine Fluss, der eben noch friedlich am Wegesrand plätscherte, an einer Felswand in die Tiefe. Dies ist der oberste und spektakulärste der Fitzroy Falls. 80 Meter ist dieser Wasserfall hoch. 
Einen noch besseren Blick auf dieses Schauspiel bietet ein zweiter, etwa 400 Meter entfernter Aussichtspunkt, hier ist der Wasserfall in ganzer Pracht und Höhe zu sehen. Zum ersten und höchstwahrscheinlich einzigen Mal sind wir froh, dass es zuletzt so viel geregnet hat, denn es stürzt eine ordentliche Menge Wasser hinunter.
Über einen Scenic Drive fahren wir einen Bogen durch das Hochland an wohlhabenden Farmen mit langen Einfahrten vorbei. Auf den weitläufigen Weiden stehen neben den üblichen schwarzbraunen Rindern viele Pferde.
Die Fahrt zu einem weiteren Lookout in einen "Grand Canyon" - laut Berichten jedoch nur mit geringer Ähnlichkeit zum großen Bruder in Arizona - sowie einen Abstecher nach Bundanoon, einer schottisch angehauchten Gemeinde mit alljährlich stattfindenden Highland-Games lassen wir mit Blick auf die Zeit anschließend aus und wenden uns wieder in Richtung Küste.
Hinter Richardson, immer noch im Hochland, verlaufen Schienen parallel zur Straße. Viel Hoffnung auf einen Zug habe ich nicht, aber da schimmern tatsächlich sich bewegende Güterwagen durch das zwischen Straße und Bahnstrecke liegende Gestrüpp. In bewährter Weise assistiert Susanne nun meine eisenbahnfotographischen Aktivitäten und stoppt unseren Camper in einer Farmeinfahrt direkt hinter einer Brücke. Ich sprinte die 200 Meter zurück, das Motiv ist für eine spontane Aktion sehr ordentlich. Kaum zwei Minuten später kommt der Zug auch schon um die Kurve, der Lokführer sieht mich und hupt, der Kameraverschluss klickt, so einfach kann es manchmal sein.
Der Macquarie-Pass, die Straße aus dem Hochland hinab auf Meereshöhe, scheint in die steile Felswand gefräst. Die Serpentinen sind auf maximale Effizienz gebaut, es ist unübersichtlich und es gibt längere Engstellen, an denen uns keiner der vielen Trucks entgegen kommen darf, deren Fahrer mit professionellem Können ihre zum Teil vielachsigen Lastzüge hier rauf- und runterfahren.
Nach etlichen Kilometern Kurverei sind wir wieder unten. In Albion Park, der ersten Stadt nach den Bergen, ist gerade Schulschluss, die Eltern stehen zu Dutzenden vor dem Gebäude einer Primary School und ihre Autos entlang der Straße. Am Ortsausgang residiert der German Air Rifle Club, standesgemäß steht "Schuetzenclub" an der Hauswand.
Wir fahren auf den zur Autobahn ausgebauten Princes Highway auf und nützen ihn bis Kiama.
Wieder zurück an der Küste lockt hier nicht nur ein hübscher Leuchtturm oberhalb einer schroffen Klippenküste.
Vor allem interessiert uns das Kiama Blowhole, ein zur See hin offenes Loch in den Felsen. Bei entsprechendem Seegang wird das Meerwasser so hereingedrückt, dass es oben aus dem Loch herausschießt. Um die maximale Höhe von 60 Metern zu erreichen, braucht es allerdings eine stärkere und vor allem genau auf das Loch ausgerichtete Brandung als heute. Aber auch so knallt die Welle mit sattem Bass-Sound in das Loch und die Gischt spritz oben hoch heraus, wie ein Geysir. Wir haben Glück und erleben zwei dieser Blows.
Für die Fahrt zu unserem Tagesziel haben wir uns den am Meer und einem Inlet entlang führenden Lake Illawara Tourist Drive herausgesucht. Was daheim auf der Karte idyllisch aussah zeigt sich hier völlig anders: Die Straße ist ein vielspuriger Highway, der mit unendlich vielen nervigen Rotphasen durch eine Kette von kleinen und größeren Küstenorten führt. Als Krönung des Ganzen erwartet uns am Ende unserer zeitraubenden Küstenfahrt das Stahlwerk in Port Kembla; ein quadratkilometer großer Schwerindustrie-Komplex, der Thyssen oder Krupp alle Ehre machen würde.
Bei der Durchfahrt durch Wollongong, mit 280.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt von New South Wales, nutzen wir noch einen ALDI am Straßenrand, dann haben wir bald unser Ziel erreicht.
Um kurz nach sechs fahren wir beim Bully Beach Tourist Park vor. Darren aus dem Office hat extra auf uns gewartet, weil er nicht sicher war, ob uns seine Nachricht mit den Platzinformationen erreicht hat. Vielen Dank dafür.
Wir haben eine En Suite-Site gebucht, das heißt neben dem Stellplatz steht ein kleines Häuschen mit Dusche und Toilette nur für uns. Purer Camperluxus.
Oskar und ich gehen wieder zum nahen Strand, dessen Brausen auf dem Campground unüberhörbar ist.
Mal wieder ein herrlicher Flecken Erde, kilometerweit erstreckt sich der Sandstrand am Meeresufer entlang. Kaum jemand ist zu sehen, lediglich einige Spaziergänger genießen mit uns die Abendstimmung.
Während wir zu Abend essen kommt unser Site-Nachbar, von dem bislang nur sein Zelt zu sehen war, mit seinem Kleinlaster samt Anhänger vorgefahren. Er erzählt, dass er aus den Blue Mountains komme - wo wir nächste Woche hinwollen, wenn es das wechselhafte Wetter zulässt - und hier in Wollongong zum Arbeiten sei, da sei dieser Platz wirklich praktisch. Er gibt uns für die morgige Fahrt nach Sydney noch einen Tipp für eine App um die Mautstraßen gut umfahren zu können. Auf das Wetter angesprochen meint er, dass der Regen der Natur gut tue; es habe im Frühjahr Wochen voller Trockenheit gegeben, die zu vielen Waldbränden geführt hätten. Wir hatten gehofft, dass wir Australien mit dauerhaften Sonnenschein erleben würden. 
Mit der aktuellen Wetterprognose eines weiteren sonnigen Tages für morgen gehen wir zu Bett.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.

21.12.2024 Brisbane – Singapur – München – Weilheim

Ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht. Aufregung oder das sehr weiche Bett? Keine Ahnung. Aber so kann ich unsere letzte Morgendämmerung ...