Die Kängurus liegen unter den Bäumen und auf den Wegen und dösen. Hier kennen sie wirklich überhaupt keine Scheu.
Direkt im Nachbardorf, erreichbar vom Princes Highway über eine Stichstraße durch den Regenwald des Murramarang National Park, liegen die Strände von Pebble Beach und Depot Beach. Wir entscheiden uns für letzteren, parken in der Siedlung, die nur aus einem guten Dutzend Ferienhäuser zu bestehen scheint und laufen durch einen kleinen Streifen Wald zum Strand hinunter.
Hier ist man dem Paradies sehr nahe: In einem mehrere hundert Meter langen Bogen läuft das Meer auf den Sand auf, dunkle Bäume bilden den Hintergrund, und es ist so gut wie niemand da. Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde, wäre die Schönheit kaum auszuhalten.

Überhaupt ist es in unseren Augen einmalig, welch faszinierend schöne und oft einsame Strände es gibt, und das auch noch in üppiger Menge.
Im übervölkerten Europa stünde an jedem dieser herrlichen Orte mindestens eine riesige Ferienanlage mit Strandbar und Liegestühlen. Hier nicht. Einfach traumhaft. Glückliches Australien. Was wird es für ein Gefühl für uns sein, mit diesem Wissen das nächste Mal wieder an einem europäischen Strand zu stehen?
Insgesamt soll Australien 10.685 Strände besitzen. Wenn man an jedem Tag einen anderen Strand besuchen wollte, wäre man also ziemlich genau 29 Jahre beschäftigt.
Vom Depot Beach fahren wir weiter Richtung Norden. Bei der Rückfahrt durch den Regenwald zum Princes Highway sehen wir nicht nur zwei Wallabys, sondern auch die erste Schlange, die vor uns die Straße überquert. Außer durch die Autofenster oder im Zoogehege mag man diese Kreaturen nicht wirklich sehen, sind sie doch hier besonders giftig.
Der Princes Highway verläuft überwiegen durch gleichförmigen Wald, Abwechslung bringen die stetigen Aufs und Abs, da sich immer neue Hügel in den Weg stellen sowie diverse Täler, die quer zur Fahrtrichtung dem nahen Meer zustreben.
In Ulladulla kaufen wir bei SUBWAY unsere Mittagsbrotzeit, die wir beim nahen Warden Head Lighthouse, dem örtlichen Leuchtturm, essen wollen. Wir finden einen kleinen Parkplatz mit ein wenig Meerblick und setzen uns in die große Schiebetür unseres Campers. Ringsum veranstalten Grillen ein Konzert, so laut und vor allem in der Tonlage so tief, dass sie selbst meinen Tinnitus übertönen. Unterhalb des Parkplatzes wäre auch ein Strand, aber nicht so traumhaft schön wie der in Depot Beach, also gehen wir nicht hinunter.
Der Leuchtturm ist einer der wenigen, die aus Stahl statt Steinen gefertigt ist. Er steht in einer kleinen Anlage, es bietet sich jedoch keine wirklich schöne Aussicht aufs Meer. Auch auf den Leuchtturm gibt es allein von der Zufahrtsstraße ein halbwegs schönen Blick. 
Für die Aborigines, so die Information auf einer Tafel, war der Zug der Wale vom und zum Antarktischen Ozean der Anzeiger für die Jahreszeiten. Zogen sie nach Norden, wurde es kühler und es begann die Saison des Fischfangs, da mit den Walen viele Fische nun näher zur Küste kamen. Zogen sie nach Süden, begann die warme Jahreszeit und damit die Periode, in der der Wald ausreichend Nahrung hervorbrachte.
Als wir von Ulladulla weiterfahren, hat es sich richtig zugezogen. Erste Tropfen mehren sich allmählich zu Regen, während wir in Richtung der Jervis Bay rollen. In Huskisson steht zum Glück genau an der richtigen Stelle ein Doughnut- Wagen, und wir bekommen die letzten Stücke vor dem offenbar an die Schulzeiten angepassten Feierabend. 
Huskisson bietet jedoch nicht nur einen süßen Imbiss, sondern auch ein Meisterwerk der Natur: Einen Mangrovenwald, durch den der Jervis Bay Mangrove Boardwalk führt. Pünktlich nimmt sich der Regen eine Auszeit, und wir können auf einem Stelzenweg durch den Wald spazieren. Wieder sind am Weg Tafeln angebracht, die über diesen faszinierenden Lebensraum informieren, zum Beispiel über die dem Salzwasser und den Gezeiten angepasste Feuchtigkeitsaufnahme der Bäume, die ein Absorbieren des Meersalzes einschließt. Faszinierend, wie die Natur dieses eigentlich völlig lebensfeindliche Habitat erschlossen hat.


Momentan ist Ebbe und die Bäume stehen offen im Schlick. Ist es Vorteil oder Nachteil, dass das Wasser weg ist? Jedenfalls sehen wir so die Tierwelt im Schlick des Gezeitenwaldes, vor allem kleine Krebse, die herumwuseln, aus Erdlöchern auftauchen und verschwinden.
Auf unserem weiteren Weg nach Shoalhaven setzt der Regen erneut ein. Viel zu sehen gäbe es jedoch auch nicht. Wir fahren durch den Berufsverkehr der Industriestadt Nowra und an ihrer Chemiefabrik vorbei.
Der Weg zum Meer hin verläuft durch flaches Weideland. Irgendwo sind zwischen den Weiden auch Winerys eingebettet, wir fragen uns jedoch, wie die wenigen und kleinen Weinfelder tatsächlich für den Betrieb der Weingüter ausreichen.
Shoalhaven Heads ist ein kleiner Küstenort, der vor allem älteres Publikum anzusprechen scheint, es gibt Bowling Felder und bieder wirkende Geschäfte, und auch unser Campground, der "Holiday Haven Shoalhaven Heads", scheint eher seniorengerecht. Er wirkt sauber aber steril und besteht vor allem aus fest installierten Wohnwagen ähnlich wie in Breamlea, nur dass sie hier in besserem Pflege- und Erhaltungszustand sind.
Am Ufer des flussartigen Inlets sind einige Sites für Camper und Caravans vorgesehen. Die Nummer 188 ist für uns reserviert, und wir docken in strömenden Regen an.
Leider hat die hiesige Pizzeria ausgerechnet Dienstags Ruhetag. Also findet erstmals in New South Wales das Abendessen wieder im Camper statt.
Die Wettervorhersage ist jedoch zuversichtlich, dass es noch einmal freundlicher wird. Und sie behält Recht: Es hört so langsam auf zu regnen und die Abendsonne verwöhnt uns dann mit einem prächtigen Regenbogen.
Sogar einen Sonnenuntergang bekommen wir noch geboten, wer hätte das vor einer Stunde gedacht?

In der einsetzenden Dämmerung gehen Oskar und ich noch kurz an den Strand. Hier ist es fast neblig, eine seltsame Stimmung, wenn man kaum 200 Meter weit schauen kann und trotzdem das Brausen der Wellen zu hören ist.

Auf dem Rückweg ist es fast dunkel, zumindest in dem schmalen Waldstreifen zwischen Strand und Campingplatz. Beim Gedanken an die australische Tierwelt könnte es einem da fast unheimlich werden.
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