Auf dem ohnehin kaum belegten Campground herrscht absolute Stille. Wir haben uns entschieden, nicht jeden Tag das große Doppelbett im Heck des Campers in die Sitzlandschaft mit Tisch und Eckbank umzubauen. Statt dessen gibt es bei kühleren Temperaturen vorn im Camper die Möglichkeit, einen winzigen Tisch aufzubauen, an dem man unter Einbeziehung von Fahrer- und Beifahrersitz Platz nehmen kann. Diese müssen dafür natürlich gedreht werden. So fällt das Essen etwas beengter aus und verlangt ein wenig Improvisation, es bietet jedoch neben dem geringeren Aufbauaufwand auch die Möglichkeit, direkt an der geöffneten Schiebetür zu sitzen. Durch diese Tür scheint nun während wir frühstücken die durch einige Wolkenschleier fahle Morgensonne herein.
Coffee to Go gibt es erst ab 9 Uhr, denn dann erst öffnet der an der Platzeinfahrt gelegene kleine General Store. Oskar und ich schlendern hinüber. Der Laden ist Kaffee- und Tante-Emma-Laden für den nötigsten Bedarf, Postfiliale und Touristen- Information in einem.
Während unser Kaffee durchläuft, kommen und gehen die Leute, halten mit der Inhaberin ein kurzes Gespräch und steigen wieder in ihre Autos. Nur in welcher Sprache hier kommuniziert wird, ist völlig schleierhaft. Der Schrift nach soll es Englisch sein, jedoch klingt der Aussi-Slang, den wir auch schon in Melbourne aufgeschnappt haben, eher nach Gälisch mit verschlucktem Kopfkissen und ist für Ungeübte weitestgehend unverständlich.
Unser erster Tagesordnungspunkt heute ist der WOOLWORTH-Supermarkt in Torquay, um die bei ALDI unerledigt gebliebenen Utensilien zu kaufen. Der Markt ist gut sortiert im Stil eines KAUFLAND, und wir können die Einkaufsliste komplett abhaken.
Anschließend fahren wir über die Strandpromenade von Torquay, das sich als hübsches Seebad mit breiten Stränden zeigt, auf denen samstäglicher Betrieb herrscht.
An der Ortsausfahrt biegen wir in die legendäre Great Ocean Road ein. Diese wurde als Verbindungsstraße für die Ortschaften an der schroffen Steilküste gebaut, die früher nur per Schiff erreichbar waren. 1919 begann der Bau, ausgeführt von 3.000 aus dem 1. Weltkrieg heimgekehrten Soldaten. Für diese diente der Bau der Straße zum einen als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durch die Regierung des Bundesstaates Victoria, zum anderen war es auch die Errichtung eines Kriegsdenkmales zum Gedenken an ihre gefallenen Kameraden. Sie bauten damit das vielleicht größte War Memorial der Welt.
Heute ist die seit 1932 durchgehend befahrbare Straße die bekannteste Scenic Route Australiens.
Leider hat es sich zwischenzeitlich zugezogen, denn ausgerechnet auf dieser Panoramastraße, auf der wir nun drei Tage lang unterwegs sein werden, werden wir suboptimales Wetter haben. Wir lassen uns überraschen, was sie bei schlechter Witterung zu bieten hat.
Eine erste schönen Aussicht bietet der Point Addis hoch über dem Meer auf die Klippen und einige Strände, an die die Wellen anbranden. Ein wenig scheint noch die Sonne, das Meer leuchtet in einem Hauch von Azur und es ist herrlich warm.
Dann leitet uns die Straße mal dicht mal etwas weiter entfernt am Meer entlang.
Wir fahren durch Anglesea, ein kleinerer Ferienort, und kommen nach Aireys Inlet. Hier steht ein hübsches Lighthouse, zu dem jedoch die Straße für Fahrzeuge über 6 Meter Länge gesperrt ist. Schade, da ragen wir mit unseren 7 Metern drüber hinaus. So schauen wir uns den Leuchtturm aus der Ferne an.
Weiter geht es am Wasser entlang mit zahlreichen Ausblicken auf den Indischen Ozean, steil zum Meer hin abfallende Felsküsten und ausgedehnte Sandstrände.
In Lorne, einem weiteren sehr ansprechenden kleinen Seebad, fahren wir ein paar Kilometer den Steilhang hinauf bis zu Teddy's Lookout, einem Aussichtspunkt tief hinunter auf die Schlucht und Mündung eines kleines Flüsschens.
Dann erreichen wir Kennett River. Hier wollen wir im Kennett River Family Caravan Park übernachten.
Jede Menge Familien sind zu Gast, viele Kinder toben über die Flächen, radeln auf den Straßen und bevölkern den Spielplatz. Als besonderen Clou ist das Gelände und seine Umgebung bekannt für einen Koala-Bestand.
Und tatsächlich: Auf dem Weg zum Strand entdecken wir einen Koala dösend im Baum sitzend. Was für ein süßes Tier. Für Susanne geht damit ein Traum in Erfüllung, sie ist überglücklich über den Anblick.
Nach dieser tierischen Begegnung gehen wir an den Strand. Oskar und ich bauen eine Sandburg.
Danach schauen wir einigen Familien beim Baden und Surfen im eiskalten Wasser zu. Kinder scheinen hier zu surfen bevor sie richtig laufen können, so klein sind die Kids, die mit ihren Brettern ihre ersten Versuche im Wellenreiten unternehmen.
Wir essen später vor dem Camper zu Abend, bis uns der angekündigte Regen ins Trockene treibt.
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