Der Tag des Fluges um die halbe Welt beginnt mit dem Wecker um 4.15 Uhr. Oskar kommt mir schon auf der Treppe entgegen: "Wir fliegen heute nach Australien!" begrüßt er mich strahlend. Dass er vor lauter Aufregung überhaupt geschlafen hat, ist ein Wunder.
Es ist früher Morgen, als wir losfahren. Zwar geht unser Flug nach Singapur, die erste Etappe unserer Reise nach Down Under, erst um 12.05 Uhr, aber wir wollen auf jeden Fall ausreichenden Zeitpuffer haben. Dass wir gut daran getan haben, großzügig zu planen, zeigt sich auf dem Münchner Autobahnring: Die Gegenspur wird blockiert von einem endlosen Stau. Nichts geht mehr; nicht auszudenken, wenn das auf unserer Seite wäre.
Bei uns läuft alles glatt und wir kommen in der Morgendämmerung am Flughafen an. Susanne und Oskar nehmen die Koffer, ich fahre den Golf in eines der neuen Parkhäuser am Besucherpark.
Dann heißt es warten, denn die CheckIn-Schalter von Singapore Airlines öffnen erst um kurz vor neun. Oskar testet derweil die Wendigkeit und Schnelligkeit seines kleinen Rollkoffers.
Nach Abgabe der Koffer holen wir erst einmal bei McDonalds unser Frühstück nach, ab jetzt haben wir Zeit.
Die Premium Economy ist halb leer, so können sich Susanne und Oskar noch umsetzen in die begehrte Reihe mit großer Beinfreiheit.
Wir legen pünktlich ab und starten auf der Südbahn gen Westen in einen tristen Novemberhimmel. Kaum in der Luft, geht das Flugzeug in eine 90°- Steilkurve und taucht, nun in der richtigen Richtung unterwegs, bald in die Wolken ein.
Bei einem Flug im Spätherbst Richtung Osten ist es erstaunlich, wie schnell die Nacht hereinbricht; wir sind kaum zweieinhalb Stunden in der Luft und gerade über der Türkei, als es finster wird.
Über der dunklen Ödnis Afghanistans schaue ich aus dem Fenster und erinnere mich an ein Youtube-Video bei AeronewsGermany, bei dem das Procedere eines Fluges über den dortigen sehr dicht beflogenen, jedoch völlig unkontrollierten Luftraum erklärt wurde: Die Freigabe der Passage erfolgt bei den Lotsen in Turkmenistan mit Vorgabe zur Flughöhe und Abstand zum Vordermann, und dann Augen zu und durch über eine penibel einzuhaltende Luftstraße bis nach Pakistan, wo einen die Flugsicherung wieder in Empfang nimmt. Für einen Notfall an Bord über Afghanistan bedeutet dies: Außer bei einer Katastrophe wie Feuer an Bord heißt es weiterfliegen.
Über Indien sind viele Lichter zu sehen, danach erst wieder jenseits des Golf von Bengalen über Thailand und Malaysia. 
Kurz vor der Landung beginnt es zu dämmern. Wir überfliegen das Lichtermeer des Stadtstaates, die vorgelagerten Inseln und hunderte Schiffe auf Reede und setzen nach elfeinhalb Stunden und 10 500 Kilometern Flug auf dem Changi Aiport auf.
Die Luftfeuchtigkeit ist hier so hoch, dass die vom Flug noch kalten Fenster sofort dicht beschlagen und man nicht mehr hinausschauen kann.
Wir sind im Terminal 2 angekommen und müssen nun zum Terminal 3. Das geht problemlos mit dem Skytrain. Dieser fährt mitten durch den Innenhof des Flughafen-Einkaufszentrums THE JEWEL. Leider ist zu so früher Stunde dort noch alles dunkel, und auch der als spektakulär gehypter Indoor-Wasserfall ist noch aus. Dafür gibt es im Terminal 3 einen Koi-Teich und einen kleinen Schmetterlingsgarten als Attraktionen.
Der Flughafen ist schlichtweg gigantisch groß. Endlose Gänge, riesige saalartige Räume, Menschen aus aller Herren Länder. Völlig ungewohnt für asiatische Flughäfen ist es in den Terminals warm und ungeheuer schwül. Es gehen hier so viele Flüge, dass wir warten müssen bis wir wissen, wo in dem weitläufigen Terminal unser Anschlussflug abgeht.
Kurz vor dem Boarding fahren Oskar und ich nochmal eine Runde mit dem Skytrain, und nun ist der Wasserfall - Rain Vortex genannt - an und wir können uns ihn im Vorbeifahren anschauen.
Um ihn in Gänze zu sehen, müssten wir jedoch die Immigration durchlaufen, da das Einkaufszentrum nicht im Transitbereich liegt.
Um ihn in Gänze zu sehen, müssten wir jedoch die Immigration durchlaufen, da das Einkaufszentrum nicht im Transitbereich liegt.
Nun macht sich bei uns die Müdigkeit massiv bemerkbar, und wir sind froh, dass wir bald wieder im Flugzeug sitzen können. Noch ein Flug der Länge Frankfurt- Boston, dann werden wir es geschafft haben.
Das Flugzeug, wieder ein A350, ist deutlich voller und innen ein wenig weihnachtlich dekoriert. Es geht pünktlich los, wir schauen ein weiteres Mal das hervorragend gemachte Sicherheitsvideo im Flieger, bei dem die Informationen zu Notfallszenarien in einen Spaziergang durch die Sehenswürdigkeiten von Singapur einbettet sind. Dann starten wir in den bewölkten Himmel, überqueren nach dem Start den Äquator und lassen Asien bald hinter uns.
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